auch  die  beinabe  ganz  vollendete  Kirche  eben  keinen  hoben
Begriff  von  dem  dasigen  Geschmack  in  der  Architektur
beibrachte,  so  dußerte  ich  meinem  Freunde,  daß  es  mir
in  Rückücht  unseres  Studiums  in  Dresden  nicht  recht
gefallen  wolle,  und  daß  ich  der  Meinung  seo,  wir  würden
  in  Berlin,  wo  damals  so  viel  gebaut  ward,  das
Studium  unserer  Kunst  mit  weit  besserem  Erfolg  betreiben
  können.  Bei  diesen  Worten  schrie  Haller  voller
Freude  laut  auf:  Bei  Gott,  das  denke  ich  auch,  allein
ich  habe  nur  noch  nicht  das  Herz  gehabt,  Dir  meine
Meinung  zu  sagen.

Die  Hauptschwierigkeit  zur  Fortsetzung  unserer  Reise
war  nun  das  Reisegeld.  Ich  hatte  von  Wien  bis  Dresden
  die  Auslagen  gemacht,  und  mein  Freund  erwartete
erst  von  Haus  seine  Wechsel.  Er  gieng  darum  täglich
auf  die  Post,  aber  acht  Tage  lang  vergeblich.  Dieser
Umfstand  verstimmte  uns  gewaltig.  Endlich  kam  Haller
eines  Abends  voller  Freude  und  fast  atbemlos  in  unsern
Gasthof  gelaufen,  den  wir  bisber  noch  nicht  verlassen
batten,  und  sagte,  indem  er  dreißig  Friedrichsd'or  auf
den  Tisch  warf:  Hier,  lieber  W.,  ist  Geld,  nun  können
wir  nach  Berlin  reisen.  Auf  meine  Frage,  ob  sein  Wechsel
  angekommen  sey,  antwortete  er:  O  nein,  sch  babe
mir  das  Geld  auf  mein  ebrliches  Gesicht  von  einem
Landsmann  geborgt;  böre  nur,  als  ich  vor  einer  Stunde
wieder  vergebens  nach  einem  Brief  mit  dem  Wechsel
fragte,  und  ich  mich  schämte,  noch  öfters  den  vergeblichen
  Gang  zu  tbun,  gieng  ich  zu-  Maler  Graf,  welcher
ein  Schweizer  ist,  und  uns  schon  einigemal  so  freundschaftlich
  aufgenommen  hat.  Ich  klagte  ihm  unsere  Notb