41

sab  sich  unterdessen  nach  einem  Kutscher  um.  Als  ich  zu
dem  Herrn  Minifter  L.  kam,  entdeckte  ich  demselben
mein  Vorhaben  mit  den  Worten,  daß  ich  in  Dresden
nun  Alles  gesehen,  aber  bei  aller  Achtung  für  die  vielen
Kunstschätze  doch  gefunden  hätte,  es  sey  nicht  der  Ort,
um  in  meinem  Fache  weiter  zu  kommen,  weswegen  ich
mich  nach  Berlin  zu  wenden  gedächte,  wo  jetzt  viel  gebaut
  würde.  Der  Minister  bezeigte  sich  über  meinen
Vortrag  sehr  ungnaͤdig,  und  es  schien  ihn  besonders  zu
verletzen,  daß  ich  für  meine  Studten  in  Berlin  mehr  erwartetc,
  als  ich  in  Dresden  gefunden.  Er  fuhr  auf  und
sagte  ziemlich  beftig:  Junger  Mensch,  Sie  kennen  die
Welt  zu  wenig,  und  find  zu  unerfabhren,  als  daß  GSie
zwischen  Berlin  und  Dresden  in  Absicht  auf  Kundanstalten
  und  Kunstschätze  entscheiden  können.  Statuen  auf
den  Straßen,  wie  in  Berlin,  haben  wir  hier  zwar  nicht,
allein  wir  haben  Kunstwerke  im  Innern  der  Gebäude,
wie  sie  dort  nicht  sind.  Geben  Sie  also  nur  in  Gottes
Namen  nach  Berlin,  Sie  werden  dort  Alles  schon  nach
Wunsch  sinden,  und  bedürfen  deshalb  nicht  meiner  Empfeblungen.
  Ich  sab  nun  wobl,  daß  ich  meine  Sache
sebr  schlimm  gemacht,  und  stellte  darum  Sr.  Ercellenz
vor,  wie  ich  mich  keineswegs  dem  Studium  der  Malerei
und  Bildhauerkunst,  sondern  der  Architektur  zu  widmen
gedaͤchte;  der  Minister  schien  dies  wenig  zu  beachten,
und  so  empfahl  ich  mich  und  verzichtete  auf  das  Empfeblungsschreiben.


Als  ich  von  dieser  unangenehmen  und  gar  nicht  nach
Wunsch  ausgefallenen  Abschiedsvisite  nach  Hause  kam,
war  Haller  schon  mit  dem  Einpacken  unserer  Koffer  in