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Kunst  im  Allgemeinen  Vieles  vor  Berlin  voraus  batten,
so  fand  ich  doch  an  letzterem  Ort  im  geselligen  Leben
mehr  Ideen  über  Kunst  verbreitet;  man  begnügte  sich
bier  nicht  mit  allgemeinen  urtbeilen,  sondern  wußte
diese  Urtbeile  tiefer  zu  begründen.  Den  Südländer  führt
mehr  ein  glücklicher  Trieb,  während  seine  nördlichen
Landsleute  das  Reich  der  Begriffe  zu  erweitern  streben.

Da  ich  bis  setzt  noch  nicht  viel  über  Kunst  gelesen
hatte,  so  war  mir  der  Umgang  mit  Personen,  welche  die
alte  und  neue  Welt=  und  Kunßgeschichte  ibrem  ganzen
Umfang  nach  kannten,  von  äußerster  Wichtigkeit,  weil
ich  durch  sie  und  durch  das  Studium  der  alten  griechischen
  und  römischen  Geschichte,  so  wie  durch  Lesung  des
Vitruv,  Winkelmann,  Sulzer  u.  s.  w.  mir  bellere  Ansichten
  erwarb,  und  über  das  Wesen  der  Architektur  mehr
ins  Klare  kam.

Aufßer  den  Vorlesungen  über  Aesthetik,  welche  Hofratb
  Moritz  hielt,  und  den  Vorlesungen  über  Baumaterialien
  bei  Oberbauratb  Becherer,  besuchte  ich  in  Berlin
keinen  öffentlichen  Unterricht;  indessen  hatte  ich  das
Glück,  mit  dem  dasigen  Architekten  Genello,  welcher  gerade
  aus  Nom  zurückkam,  bekannt  und  sein  Freund  zu
werden,  und  durch  die  Freundschaft  dieses  gebildeten
Mannes  lernte  ich  für  meine  Person  mehr,  als  ich  vielleicht
  sonst  in  einem  öffentlichen  Unterricht  gefunden  haben
  würde.  Genelly,  dessen  Umgang  ich  während  meines
Aufenthalts  in  Berlin  alltäglich  genoß,  war  als  Architekt
  in  seiner  Bildung  einen  dem  meinigen  entgegengesetzten
  Weg  gegangen;  er  sieng  ohngefähr  zu  gleicher
Zeit  mit  mir  das  Studium  der  Baukunst  nach  ihrer  Theo-