Bilder,  welche  ich  mir  vorber  von  Rom  gemacht  bhatte,
ganz  anders  vorgestellt,  indem  es  jetzt  beim  wirklichen  Anblick,
  mit  Ausnahme  des  alten  Roms,  unter  meiner  Erwartung
  blieb.  Die  überspannten  Bilder,  wozu  mich
besonders  die  übertriebenen  piranesischen  Prospekte  verleiteten,
  waren  Ursache,  daß  im  Anfang,  bis  ich  ganz
bekannt  und  vertraut  war,  mein  Studium  nicht  die  Ergiebigkeit
  versprach,  die  es  wirklich  mir  gewährte.

Im  ersten  Jahr  suchte  ich  bauptsächlich  Rom  und  dessen
  Umgebungen  mit  allem  dem,  was  sich  auf  Kunst  beziebt,
  kennen  zu  lernen,  und  beschäftigte  mich  daneben
mit  Ausarbeitung  einiger  architektonischen  Aufgaben,  wozu
  ich  die  Ueberreste  der  altrömischen  Baukunst,  so  viel
möglich  benutzte,  und  in  #äbnlichen  Fällen  auch  die  Anwendung
  verschtedener  Theile  mit  denen  von  den  neuern
Baumeißern  verglich.  Durch  diese  Bearbeitung  lernte
ich  Rom  und  nmich  endlich  in  einem  ganz  andern  Lichte
kennen,  und  wurde  bald  inne,  wie  gering  und  lückenvoll
mein  bisheriges  Wissen  sey,  und  was  mir  noch  zu  einem
ausgezeichneten  Künftler  feble.  Mehr  als  eine  Nacht  brachte
ich  desbalb  mit  Weinen  und  Gebet  zu,  daß  mir  Gott
die  Kräfte  und  den  Geist  geben  möchte,  die  mir  noch
fehlenden  Kenntnisse  einzubolen,  damit  ich  dann  eben  so
etwas  Großes  und  durch  alle  Tbeile  Ueberdachtes  wie  die
alten  Gebäude  fertigen  möge.  Dieses  Kleinmutbs  ungeachtet,
  boffte  ich  doch  alles,  was  ich  bisber  für  die  Bildung
  meines  Faches  versäumt  batte,  durch  Fleiß  nachzubolen,
  und  arbeitete  Tag  und  Nacht,  so  viel  es  mir
meine  Kräfte  erlaubten.  Das  erste,  was  ich  mir  als  Tagesarbeit
  aufgab  und  auch  ausführte,  war  die  Entwer-