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gen  als  Bescheidenheit  auslegen.  Aus  diesem  Diskurs
merkte  ich  übrigens,  daß  mein  Scolare,  welcher  wegen
seines  gesetzten  Alters  schon  ein  großer  Architekt  seyn
wollte,  und  zuvor  schon  viele  Jahre  in  Paris,  und  jetzt
auch  schon  einige  Jahre  in  Rom  die  Baukunst  studirt
hatte,  neben  dem  auch  als  Professor  bei  einigen  Akademien
  fürs  Geld  aufgenommen  war,  sich  schämte,  noch
Unterricht  bei  mir  zu  nehmen.  Bei  seiner  Jurückkunft
machte  ich  ihm  deshalb  Vorwürfe,  und  erklärte,  daß  ich
ihm  von  nun  an  keinen  weitern  Unterricht  geben  würde;
denn  wenn  er  so  eitel  wäre  und  sich  dessen  schämte,  so
besäße  ich  eben  so  viel  Eitelkeit;  ich  unterrichtete  nicht  blos
des  Geldes,  sondern  auch  der  Ehre  wegen,  und  er  dürfe  sich
nicht  erlauben,  mich  in  den  Ruf  eines  Narren  zu  bringen.

Er  gab  mir  jetzt  noch  lange  die  besten  Worte,
und  weil  er  sehr  reich  war  und  von  vornehmer  Familie,
so  daß  er  nach  seiner  Zurückkunft  in  sein  Vaterland  eine
große  Rolle  zu  spielen  boffte,  wollte  er  mich  auch  mit
nach  Spanien  mit  einer  reichlichen  Belobnung  auf  3  Jahre
nehmen,  um  ihm  während  der  Zeit  ein  oder  zwei  Personen
  für  sein  Bureau  in  der  Baukunst  abzurichten.  Allein
trotz  aller  dieser  Anbietungen  wollte  ich  mich  mit  dem
Patron  nicht  wieder  einlassen.

Der  bekannte  Lord  Bristol  bot  mir  um  diese  Zeit  ebenfalls
ein  Engagement  an.  Ich  sollte  ibm  ein  Palais  bauen  zur  Aufstellung
  seiner  vielen  Kunftwerke,  die  er  während  seines  öftern
Aufenthalts  in  Rom  kaufte,  wobei  er  die  Sonderbarkeit
batte,  jeden  Tag,  so  lange  er  in  Rom  war,  hundert  Dukaten
gewöbnlich,  bei  außerordentlichen  Gelegenbeiten  aber  auch
wohl  das  Doppelte  auszugeben.  Dieses  Palais  wollte  er