156

Um  nicht  weitläusig  zu  werden,  übergebe  ich  die
weitere  Beschreibung  der  auf  den  übrigen  Inseln,  so  wie  bei
dem  Marc  morto,  Puzzoli  u.  s.  w.  gesehenen  Merkwürdigkeiten,
  und  will  nur  im  Allgemeinen  bemerken,  daß  diese  füdweßlichen
  Gegenden  von  Neapel,  welche  in  Hinsicht  auf
Kunst  und  Natur  so  interefsant  sind,  einen  lange  bleibenden
  Eindruck  auf  mich  gemacht,  und  ich  mir  oft  gewünscht
  habe,  in  jener  Gegend  geboren  zu  seyn,  und  unbekümmert
  um  die  übrige  große  Welt,  in  dieser  grobßen,
und  wundervollen  Natur,  unter  so  vielen  bedeutsamen
Erinnerungen,  meine  Tage  zuzubringen.  Auf  der  südöstlichen
  Seite  von  Neapel,  fand  ich  indessen  das  Land,
wegen  seiner  Kultur  noch  reizender,  und  als  ich  nach
BPästum  über  Pompeji  binaus  gegen  Caluze  und  Salerne
kam,  und  daselbst  manche  Pflanze  fand,  welche  man  bei
uns  in  Deutschland  nur  in  Treibbäusern  zu  seben  gewohnt
  ist;  als  ich  die  Felsen,  hatt  mit  dürren  Hecken
mit  Aloe  eingefaßt  erblickte,  glaubte  ich  wirklich  in  eine
poetische  Welt  versetzt  zu  seon,  und  die  zauberische  Erscheinung
  kam  mir  lange  wie  ein  Traum  vor,  bis  ich  im
Hinwandeln  mit  der  flachen  Hand  auf  die  Spitzen  der
Aloeblätter  schlug,  und  der  Schmerz  der  blutenden  Hand
mich  zur  nüchternen  Besinnung  brachte.

Den  Weg  nach  Päßum  wollte  ich  mit  meinen  zwei
übrigen  Reisegefährten  machen,  zu  welchen  sich  noch  zwei
sächsische  Architekten  gesellt  hatten,  welche  uns  von  Rom
aus  mit  einem  Vetturin  nachgefolgt  waren.  Allein  die
beiden  letztern  waren  so  schlechte  Fußgänger,  daß  wir
unk  genötbigt  saben,  von  Salerno  aus  einen  Wagen  zu
nehmen,  und  so  die  Reise  bis  Pästum  fortzusetzen.  So