228

endlich:  ob  wir  Deutsche,  und  aus  welcher  Provinz  wir
seven?  Nachdem  wir  ihnen  hierüber  Auskunft  gegeben,
so  fingen  sie  bitterlich  zu  klagen  an,  daß  sie  nicht  mehr
der  deutschen  Nation,  welche  sie  so  liebten,  angehörten.
Es  ist  abscheulich,  sagten  sie  unter  anderm,  wir  lieben
die  Deutschen,  und  find  durch  die  Franzosen  gezwungen,
mehrere  100  Gefangene  von  Eurer  Nation  in  unserm
Kloster  aufzubewahren,  und  müssen  diese  Unglücklichen
alle  Tage  leiden  seben,  ohne  im  Stande  zu  seyn,  etwas
für  sie  zu  thun.  Sie  führten  uns  hierauf  in  einen  Gang,
von  wo  wir  in  einen  in  der  Mitte  des  Kloßfters  gelegenen
Hof  saben,  der  ganz  mit  unglücklichen  österreichischen
Gefangenen  angefüllt  war,  die  uns  um  eine  Gabe  anflehten,
  die  wir  ihnen  auch  nicht  verweigerten,  zumal  da
dies  die  ersten  von  unsern  unglücklichen  Landsleuten  waren,
  die  wir  als  Opfer  des  französischen  Krieges  fahen.
Nachdem  wir  uns  nun  8  Tage  in  Mailand  umgesehen,
und  alle  die  Merkwürdigkeiten,  wovon  jedoch  viele  berühmte
  Gemälde  nach  Paris  gebracht  waren,  besucht  hatten,
  setzten  wir  unsere  Reise  in  unser  Vaterland  über
Como,  Graubünden  u.  s.  w.  bis  Zürich  fort.  Auf  diesem
  Wege,  zwischen  Matland  und  Como,  sah  ich  zum
erstenmal  Napoleon,  welcher  sich  dazumal  auf  seinem
Gute  Montebello,  welches  ihm  die  lombardische  Republik
  zum  Geschenk  gemacht,  aufhielt.  Auf  dem  Wege
von  Como  bis  an  das  Ende  des  Sees  Arriva  verfeblten
wir  auch  nicht  noch  einmal  mit  unserm  Schiff  an  die
Villa  Pliniana  zu  fahren,  und  dieses  so  merkwürdige  Gebäude
  noch  einmal  in  allen  seinen  Theilen  zu  betrachten,