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ich  das  Vergnügen,  sebr  oft  den  Außerst  interessanten  Umgang
  des  seligen  Lavaters  zu  genießen,  und  mir  dessen
Gunst  und  Freundschaft  zu  erwerben.  Als  ich  ihm  das
erstemal  meine  Aufwartung  machte,  und  meinen  Namen
noch  nicht  gesagt  batte,  sing  derselbe  sogleich  an:  Mein
Herr,  ich  kenne  Sie  schon  aus  Ihrem  Gesicht.  Nicht  wahr,
Sie  sind  der  deutsche  Architekt  von  Rom,  von  dem  mir
Maler  Pfnninger  vor  einigen  Jahren  zweimal  das  Vortrait
  von  Rom  schickte:  Ich  habe  beide  Bildnisse  in  meiner
  physiognomischen  Sammlung,  und  Sie  können  sie  mit
meinen  darunter  gemachten  Bemerkungen  gelegentlich
sehen.  Nachdem  wir  nun  vieles  von  Rom  und  über  die
Kunst,  als  sein  Lieblingsfach-  gesprochen,  lud  er  mich  ein,
ibn  recht  oft  zu  besuchen,  und  wenn  er  auch  nicht  zu
Hause  sey,  so  sollte  ich  nur  ungenirt  kommen,  und  mich
mit  seinen  Kunstsammlungen  unterbalten,  was  ich  auch
nicht  versäumte,  und  bei  dieser  Gelegenbeit  aus  der  unter
meine  Portraits  gesetzten  Unterschrift  sah,  daß  er  in
meine  Physiognomie  ein  großes  Vertrauen  setzte,  indem
er  unter  das  eine,  in  ganzer  Figur,  die  Worte  geschrieben:
  „Wer  da  nicht  Wahrheit  sieht,  der  siebt  sie  nimmermehr;“
  und  unter  das  andere  Brustbild:  „Weisbeit
im  ganzen  Gesicht,  besonders  in  der  Nase.“  Diese  für
mich  dußerst  günstige  Beurtheilung  veranlaßte  dann  auch,
daß  ich  mit  diesem  Außerst  interessanten  und  in  seiner
Art  einzigen  Manne,  der  wenige  Zeit  darauf  als
ein  Märtyrer  seines  Biedersinns  gestorben,  so  bekannt
wurde,  daß  er  mich  beinahe  jeden  Abend  nach  4  Uhr  zu
einem  Spaziergang  abholte,  wo  wir  uns  dann  größtentbeils
  über  die  Kunst  unterhielten.  Unter  anderm  ver-