langte  Lavater  besonders  von  mir  über  einen  wissenschaftlichen
  Streit  über  die  Perspektive,  von  dem  ihm  geschrieben
  worden,  und  den  ich  einige  Jahre  zuvor  mit  einem
deutschen  Gelehrten  in  Rom  gebabt,  nähere  Auskunft,
indem  er  glaubte,  ich  hätte  daran  Unrecht.  Dieser  Gelehrte
  wollte  nämlich  einen  Maler  tadeln,  weil  er  auf
einem  hohen  Pinienbaum  einen  Mann,  welcher  die  Früchte
berunterschlägt,  in  gleicher  Größe  mit  den  unten  stehenden
  Personen  auf  dem  Boden  gemalt.  Als  ich  ibm  entgegenbielt,
  daß  sich  die  Perpendikuldre  in  der  Perspektive
nicht  ändere,  und  daß  deshalb  gleich  dicke  Tbürme  immer
parallel  in  ihrer  perpendikulären  Linie  erscheinen,  so  veranlaßte
  ibn  dieses  Gleichniß,  sogar  zu  bebaupten,  daß  es
darum  auch  sehr  fehlerhaft  sey,  wenn  man  einen  bohen
viereckigten,  gleich  dicken  Thurm  auf  einem  Bilde  in  paralleler
  Dicke  aufzeichne,  weil  derselbe  in  natura,  wo  man
sich  gewöhnlich  näher  bei  dem  untern  Theile  desselben,
als  bei  dem  obern  befsindet,  komisch  erscheine.  Da  nun
die  Malerei  blos  die  Gegenstände  auf  einer  ebenen  Fläche
vorzustellen  habe,  so  glaube  er,  daß  man  bisber  bei  vielen
  Bildern  noch  nicht  auf  diese  natürliche  Erscheinung
den  gebörigen  Betracht  genommen  Meine  Gegenbebauptung
  bezog  sich  vorzüglich  darauf,  daß  zwar  ein  paralleler
Thurm  unten,  wo  er  dem  Auge  näher  erscheint,  sich  breiter
  als  oben  darstelle,  daß  aber  hortzontale  oder  perpendikuläre
  Linien,  in  sofern  sie  parallel  mit  der  Zeichnungs-=fläche
  gehen,  immer  parallel  auf  derselben  aufgezeichnet
werden  müssen,  weil  ein  jedes  perspektivische  Bild  nur
von  einem  Gesschtspunkte  aus  angesehen  werden  soll,  wodurch
  sich  dann  die  Sehwinkel  im  Bilde  von  unten  und