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Dieses  Gefühl  der  Menschwerdung  ist  es  denn  auch,
was  den  Maler,  den  Dichter,  überhaupt  jeden  angebenden
  Künftler,  gleichsam  wie  ein  Sehnen  nach  dem  Unendlichen
  durchschauert,  wenn  nun  das  Unbekannte,  aber
Geahnete,  sich  ihm  als  ein?  Wirkliches  darstellt,  wenn  er
zum  ersienmale  aus  sich  selbst  binaustritt,  um  das  wunderbare
  Geheimniß  in  seinem  Innern  gelöst  zu  finden.

Weinbrenner  barte  so  vieles  von  Wien  gebört,  von
den  herrlichen  Kunstschätzen  daselbst,  daß  er  nun  nicht
länger  in  der  Schweiz  verweilen  mochte,  und  an  die  Ufer
der  Donau  hineilte,  wo  er  noch  mehr  fand,  als  er  erwartet
  hatte.  ·

Der  damalige  Badische  Minißer,  Freiberr  v.  Edelsbeim,
  ein  Freund  von  Mengs,  und  ein  Kenner  und  Beschützer
  der  Künste  und  des  Talentes,  versah  Weinbrenner
  mit  Empfeblungsschreiben  nach  Wien,  Dresden  und
Berlin,  denn  von  der  erßen  Stadt  aus  wollte  er  auch
die  beiden  andern  besuchen.  Wien  bot  seinem  Beobachtungsgeiste
  und  seiner  Wißbegierde  ein  reiches  Feld  dar.
Die  herrliche  St.  Stephanskirche,  die  Kirche  des  heil.
Karolus  Baromäus,  die  Paläse  des  Prinzen  Eugen  und
der  Fürsten  von  Lichtenstein,  das  nabe  Schönbrunn,  und
so  manche  andere  Gebäude  waren  für  ihn  eine  neue  überraschende
  Erscheinung.  An  dem  trefflichen  Vinzenz  Fischer,
  Professor  der  Architektur  an  der  dortigen  Akademie,
fand  er  einen  trefflichen  Ratbgeber  und  Führer.  Auch
gewann  ihm  sein  naiver  Charakter  (dieses  wesentliche
Kennzeichen  des  wahren  Künftlerberufs)  noch  manchen
andern  Freund.