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Fleißig  besuchte  er  auch  die  reichen  Gallerien,  wo
Meisterwerke  aus  allen  Schulen  vereinigt  sind.

Weinbrenner  hatte  mebr  Sinn  für  Formen  als  für
Farbe;  ihn  hatte  die  Natur  zum  Architekten,  nicht  zum
Maler  bestimmt,  darum  zogen  ihn  in  einem  Gemälde
bauptsächlich  nur  die  Composition,  die  Gruppirung,  die
Motive  an,  und  obgleich  sein  empfängliches  Gemäth
nichts  weniger  als  unempfindlich  war  gegen  die  Reize
der  Natur,  so  fand  er  doch  mehr  Woblgefallen  an  den
anmuthigen  Bildern  eines  Peter  Neefs,  Canaletti  u.  s.  w.
als  an  den  einfachen  Scenereien  eines  Ruisdael  und  Everdingen.
  Indeß  fing  er  schon  in  Wien  an,  den  Zusammenhang
  zu  ahnen,  in  welchem  die  schönen  Künste  stehen,
und  den  gemeinsamen  Geist,  der  sie  belebt.  Von  bedeutenden
  Werken  der  Architektur  batte  er  bis  dabin  nus
einige  Kirchen  und  Münfter  des  deutschen  Mittelalters
geseben  Es  entsteht  aber  ein  wunderbares  Gemisch  widerstrebender
  Empfindungen  in  der  Seele  des  Jünglings,
der  mit  scharfem  Sinn  für  Ebenmaaß  und  Verbältnisse
geboren  ward,  wenn  er  nun  auf  der  einen  Seite  den  ehrwürdigen
  Dom  in  seiner  mystischen  Kreuzgestalt,  mit  den
Spitzbogen  und  unendlich  mannichfachen,  labyrintbischen
Gliederungen  erblickt,  auf  der  andern  Seite  die  heitere  Halle
mit  den  schlankaufstrebenden  Säulen,  zierlichen  Kudufen
und  Gesimsen.  Er  kann  noch  nicht  begreifen,  wie  ein
und  derselbe  schöpferische  Geiß  sich  in  so  verschiedenen
Gestaltungen  offenbaren,  und  aus  dem  nämlichen  Prinziv
  so  entgegengesetzte  Bildungen  bervorgeben  können.

Das  Räthsel  sollte  ssch  unserm  jungen  Wanderer  ers
später  lösen,  als  er  nun  des  eigenen  Kunstvermögens  inne