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wurde,  und  die  Idee  als  das  Höchste  erkennen  lernte,
dem  die  Form  dienen  muß,  so  wie  diese  hin  und  wieder
die  Materie  sich  unterwürsig  macht.  Die,  welche  noch
in  unsern  Tagen  eine  einige  und  alleinige  Archttektur
predigen,  in  deren  Besitze  sie  sich  wähnen,  baben  von  der
Kunst  überhaupt  nur  blos  die  Aeußerlichkeit  derselben
verstanden.

Weinbrenner  konnte  zwar  in  Wien  die  antike  Baukunst
  nun  erst  aus  Abbildungen  und  Schriften  kennen
lernen;  die  beträchtlichsten  Gebäude,  welche  er  dort  aufgeführt
  sab,  zeigten  meist  ein  elektrisches  System  an,  wie
man  es  sich  in  den  letzten  Jahrhunderten  erbildet  batte,
und  das  eben  darum,  weil  es  Fremdartiges  vermischt  und
die  nothwendige  Einbeit  in  der  Verbindung  der  Tbeile
überssebt,  weder  in  der  Kunst  noch  in  der  Wissenschaft
etwas  taugr.  Wenn  indeß  die  Bequemlichkeit  dieses  Systems
  auch  leicht  das  Talent  irre  führt,  so  wird  sich  doch
das  Genie  nicht  bald  dadurch  verlocken  lassen,  denn  der
schöpferische  Geist  wird  da  am  flärksten  abgestoßen,  wo  er
sich  nicht  mit  Freibeit  und  in  seiner  eigenthümlichen
Kraft  bewegen  kann.

Die  Menge  und  Mannichfaltigkeit  neuer  Erscheinungen
  mußte  auf  sein  jugendliches,  tiefempfängliches  Gemüth
  beunruhigend  wirken;  er  konnte  die  Vorftellungen
nicht  ordnen,  die  einzelnen  Eindrücke  nicht  fetbalten,
aber  er  erbielt  dadurch  einen  Antrieb  zum  eignen  Schaffen
  und  Wirken.

Sein  Aufenthalt  in  Wien  war  nicht  von  langer
Dauer.  Zwar  gefiel  er  sich  dort  in  jeder  Hinsicht,  und
besonders  sprach  ihn  der  humane,  treuherzige  Charakter