lagen  erkannte,  und  zur  Entwickelung  brachte,  so  muß
man  sich  um  so  mebr  freuen,  daß  auch  bier,  durch  eine
zufällige  Verbindung,  ein  seltner  Geift  in  die  Spbäre  versetzt
  wurde,  in  welcher  er,  nach  dem  bedeutenden  Maaße
seiner  Kraft,  schaffen  und  wirken  konnte.

Weinbrenner  suchte  sich  jetzt  mit  der  italienischen
Sprache  in  etwas  bekannt  zu  machen;  er  las  einige
Schriften  über  Italten,  besonders  Volkmann,  der  auch
sein  Führer  wurde.

Es  war  im  Jahre  1792,  als  er,  mit  Carstens  und  Cabot,
  den  Weg  nach  Italten  antrat.  Die  Unbekanntschaft
mit  den  Sitten  und  Gewohnbeiten  in  dem  fremden  Lande
mußte  für  die  fremden  Wanderer  manches  kleine,  drelligte
  Abenteuer  herbeifübren,  wodurch  sie  fortwährend
in  heiterer  Stimmung  erbalten  wurden.

In  Rom  fand  Weinbrenner  seinen  Jugendgenossen
Feodor,  der  früber  aus  Karlsruhe  dahin  gegangen  war,
und  seinen  Landsmann  Gmelin,  den  treflichen  Landschafter,
  die  ihm  seine  kleine  Einrichtung  besorgen  halfen.
Aber  auch  die  übrigen  deutschen  Künstler  boten  den  Ankömmlingen
  freundlich  die  Hand.

br  erstes  Geschäft  war,  die  Herrlichkeiten  Rom's
fürs  erste  nur  flüchtig  zu  beschauen.  Der  Corso,  die  Ufer
der  gelben  Tiber,  das  Kolossdum,  das  Pantheon,  die  Peterskirche
  mit  ihren  dreihundert  und  zwanzig  Stäulen,
das  Kapitol,  der  monte  pincio  mit  seiner  Dreifaltigkeitskirche,
  der  Janikulus,  der  aventinische  und  palatinische
Hügel,  die  Triumphbogen,  Grabmäler,  Obelisken  u.  s.  w.
Diese  und  hundert  andere  Gegenstände  fesselten  ibre  Aufmerksamkeit
  und  beschäftigten  ihre  Einbildungskraft.