237

sich  besonders  von  den  Werken  des  letztern  angezogen
füblte.  Kein  Anderer  bat  die  Natur  so  gründlich  aufgefaßt,
  Keiner  alle  Theile  der  Landschaft  mit  so  viel  Wahrbeit
  und  Sicherbeit  darzustellen  gewußt,  und  Wenige
baben  ihn  im  geistvollen,  kräftigen  Vortrage  übertroffen.
Dabei  ist  die  schönste  Poesie  in  seinen  Erfindungen.

Unbekümmert  um  die  politischen  Stürme,  die  sich  immer
  furchtbarer  gegen  Italien  beranzogen,  besch#äftigte
sich  Weinbrenner  einzig  mit  der  Kunst.  Zwar  mußten.
die  Umstände  ihm  manchmal  Besorgnisse  erwecken,  wie  er
denn  einmal,  bei  einem  Volkstumult,  genöthigt  war,  in
eine  Kirche  zu  flüchten,  und  an  dem  Altar,  eben  als  der
Priester  Messe  las,  eine  Freistätte  zu  suchen;  aber  es  gebörte
  zum  Eigenthümlichen  seines  Charakters,  daß  er
nicht  ängstlich  den  Eindrücken  des  Augenblicks  nachgab,
sondern  mit  Ruhe  und  Besonnenbeit  Lagen  und  Verhältnisse,
  Ursachen  und  Wirkungen  überschaute.  Auch  besaß
er  manchen  Freund  unter  den  Römern  selbst,  und  setzte
daber  seinen  Gang,  wie  bisher,  fort.

Lange  war  es  schon  sein  Vorhaben  gewesen,  Neapel
zu  besuchen.  Einige  andere  junge  Künfller  boten  sich  ibm
zu  Gefährten  an,  und  heitern  Sinnes  unternahmen  sie
die  Reise  dahin;  obgleich  der  Saame  der  Revolution
auch  schon  in  den  vulkanischen  Boden  jenes  Landes  gefallen
  war,  und  dort  schnell  Wurzel  zu  fassen  schien.

Noch  in  später  Zeit  sprach  er  mit  freudiger  Erinnerung
  von  den  Eindräcken  dieser  Wanderung.  Schönes
batte  er  schon  in  Italien  gesehben,  aber  in  dem  von
Orangen  und  Myrten  beschatteten  Thale  von  Fondi,  in
Mola,  wo  der  Weinstock  zwischen  Rosen  und  Oliven

17