Ich  babe  noch  einige  Worte  zu  sagen  über  Weinbrenners
  Perssnlichkeit,  über  den  Menschen  und  den
Künstler.

Er  war  von  mehr  als  gewöhnlicher  Größe,  sein
Bau  siark  und  kräftig.  Die  zunehmende  Dicke  machte
ibn  gleichwohl  nicht  unbehülslich.

Auf  seinem  Gesichte  lag  der  Ausdruck  von  Rube,
Klarheit,  Offenbeit  und  Woblwollen.

Sein  ganzes  Wesen  war  schlicht,  ungesucht,  natürlich.


Im  Umgange  zeigte  er  sich  gefällig  gegen  Zeden.
Bei  seinem  großen  Ideenreichtbum  stand  ihm  die  Sprache
nicht  sehr  zu  Gebore,  und  seine  Naivetät  ließ  ihn  oft
das  unrechte  Wort  wählen,  was  man  bisweilen  für  bittre
Zronie  oder  Unböflichkeit  halten  konnte;  von  beiden  war
er  jedoch  weit  entfernt.

Offen  sprach  er  aus,  was  er  dachte,  und  wie  ers
dachte.  Heuchelel  und  Lüge  empörten  sein  Innerstes.

Seine  Rechtlichkeit  konnte  nichts  erschüttern.  Er
war  der  treueste  Diener  seines  Fürsken,  und  der  treueste
Freund  seiner  Freunde.

Ob  er  gleich  viel  in  der  Wekt  und  unter  Menschen
gelebt  hatte,  so  kannte  er  beide  doch  wenig.  Dies  ist
der  Fall  mit  den  meisten  Künstlern  und  Gelehrten;  sie
bewegen  sich  in  ibrer  eigenen,  abgeschlossenen  Spbire,
und  ibr  Blick  ist  nicht  geäbt,  das  Tbun  und  Treiben  der
Menge  zu  beobachten.  Bei  Weinbrenner  kam  noch  sein
unbegrenztes  Wohlwollen  binzu.  Er  glaubte  an  Edelmutb,
  weil  er  selbst  edel  war.  Mit  Menschen  ging  es
ihm  bisweilen  wie  mit  Büchern,  Gemälden  und  Kupfer-