stichen.  Selten  hielt  er  das  Gute  für  schlecht,  aber
manchmal  das  Unbedeutende  für  gut.

Nie  wechselte  er  seine  Grundsätze,  selten  seine  Ge-Unnungen.
  Sein  Vertrauen  stand  fest,  wenn  er  es  einmal
  geschenkt  hatte,  aber  auch  eben  so  sein  Mißtrauen,
sobald  er  Niedriges  und  Gemeines  an  Menschen  bemerkte.


Obne  verschwenderisch  zu  seon  war  er  doch  weit
entfernt  von  Geiz  und  Habsucht.  Er  unterßtützte  das
Talent  und  das  Unglück,  verwendete  bedeutende  Summen
  auf  Kunstwerke,  und  sein  Haus  stand  allen  gebildeten
  Fremden,  besonders  den  Künßlern,  gastfreundlich
offen.

Gegen  Lob  und  Tadel  war  er,  wie  jedes  edle  Gemütb,
  nicht  gleichgültig.  Er  batte  nicht  selten  gegen
Neid,  Dünkel  und  Eigennutz  zu  kämpfen-  Während
seiner  Abwesenbeit  in  Leipzig  kam  ein  gewisser  Miniaturmaler
  Leonelli  nach  Karlsrube,  und  suchte  sich  als  Baumeister
  einzuschleichen.  Das  erste,  wohlberechnete  Manövre
  des  schlauen  Italieners  war,  Weinbrennere  Gebäude
  in  einer  (französtschen)  Druckschrift  berabzusetzen.
Zugleich  entwarf  er  abenteuerliche  Plane  zur  Verschönerung
  der  Residenz.  Es  war  eine  der  schmerzlichßen
Kränkungen  für  Weinbrenner,  zu  erfahren,  daß  ein
Fremdling,  der  seine  Unwissenheit  so  offen  zur  Schau
trug,  Eingang  und  Gehör  gefunden.  Er  sah  sich  da
verkannt,  wo  er  es  am  wenigsten  erwarten  konnte.  Bei
seiner  Rückkehr  antwortete  er  dem  hämischen  Gegner  in
einer  Schrift:  „Der  Baumeißer  an  den  Maler,“  und  dies
ist  wohl  das  erste  und  einzigemal  in  seinem  Leben,  daß  er