48  Zweites  Kapitel.

gerichtete  Schneckenlinien  geben  den  mit  dem  Schneckenschnitt
gevierteten  Schild.

Ist  die  Spitze  der  Schneckenlinie  blattförmig,  so  daß  jede
der  beiden  Tinkturen  eine  blattförmige  Figur  bildet,  so  nennt
man  dies  den  Blattschnitt,  so  den  Linden-,  Herz-,  Kleeblattschnitt
  (Abb.  93),  und  bildet  die  Schnittlinie  zwei  ineinander
  gehende  Tierrachen,  den
Rachenschnitt.

Die  sogenannten  Eisenhütlein
sind  aus  einer  eckigen  Bildung  der
Wolken  im  14.  Jahrhundert  entstanden
  (vgl.  Abb.  79).  Die  Eisenhütlein
  sind  meist  in  horizontale
Reihen  gestellt,  in  der  Regel  blau  in
Silber.  Bei  dieser  reihenweisen  Stel---

  lung  wechselt  ein  aufrechtes  Eisen-Abb.
  93.  hütlein  mit  einem  gestürzten  der
Gegentinktur  (Abb.  94).

Die  französischen,  englischen  und  viele  deutsche  Heraldiker
nennen  sie  Feh  und  halten  die  einzelnen  Figuren  mit  Recht  für
Felle  des  Fehs  (grauen  Eichhörnchens).  Die  neuere  Forschung
hat  mit  ziemlicher  Sicherheit  estgestellt,  daß
auch  die  sogenannten  Wolken  zur  Zeit  der
lebendigen  Heraldik,  d.  h.  zu  jener  Zeit,  als
der  Schild  nochwirklich  eine  Waffe  gewesen,
durch  Pelzwerk  hergestellt  wurden,  was
aber  ebenfalls  nicht  ausschließt,  daß  man
das  Wolkenmuster  auch  durch  ausge-—
  schnittene  Tuchlappen  imitierte.  übrigens

Abb.  91.  sehen  wir  Gewandsäume  und  Bordüren

oft  in  Wolken-  oder  Eisenhutform  ausgeschnitten,
  besonders  die  ritterlichen  Waffenröcke  (sog.  Lendner),
wobei  noch  zu  beachten  ist,  daß  diese  besonders  häufig  blau
waren,  während  das  darunter  befindliche  Panzerzeug  die
glänzende  Metallfarbe  hatte.  Bei  Zelten,  Bordüren  u.  dgl.
erhält  man  gleichsam  von  selbst  eine  solche  Schnittform.