72  Drittes  Kapitel.

Flüsse  als  geflutete  (gewellte)  Balken,  blau  oder  silbern
Abb.  89;  Berge  als  Dreiberge,  drei  bogenförmige
Erhöhungen,  die  mittlere  höher,  als  Sechsberge,  nämlich
drei  bogenförmige  Erhöhungen,  darüber  zwei  und  dann
eine  solche  Erhöhung  (in  der  italienischen  Heraldik  zumeist
vorkommend);  Felsen  als  gezackte,  spitze  Kegel.

2.  Phantasiegestalten  (Ungeheuer,  Monstra).

Die  verschiedenen,  zum  Teil  aus  dem  Orient  stammenden
Sagen  von  Drachen,  Sirenen  oder  Meerweibern,  Basilisken,
vom  Vogel  Greif,  vom  Einhorn  usw.  und  die  Erzählungen
vom  Bekämpfen  derselben  bilden  den  Ursprung  dieser  Gebilde.
Es  entstanden  so  eine  Menge  von  fabelhaften  Tieren  und  verschiedene
  Zusammensetzungen  von  Tieren  und  Menschen:  geflügelte
  Löwen,  Menschen  mit  Tierköpfen  und  umgekehrt  verschiedene
  Tiere  mit  menschlichem  Haupt,  Löwen  mit  Fischschwanz
(Seelöwen).

Der  geflügelte  Löwe  der  Republik  Venedig  aber  ist  das
Symbol  des  Evangelisten  Markus;  er  wird  liegend  dargestellt,
  mit  einem  Nimbus  und  einem  offenen  Buch  zwischen
den  Vorderpranken.

Von  Ungeheuern  kommen  in  der  Heraldik  besonders  vor:

1.  Der  Doppeladler,  das  Wappen  des  heiligen
römisch-deutschen  Reiches.  Er  wird  gebildet  aus  zwei  monogrammatisch
  zusammengeschobenen  Adlern,  die  dadurch  als
ein  gewöhnlicher  Adler  mit  zwei  voneinander  abgewendeten
Köpfen  erscheinen  (Abb.  143).

Diese  Figur,  die  man  irrig  als  Beziehung  auf  das  abendländische
  und  morgenländische  Kaiserreich  gedeutet  hat,  kommt
schon  früh  im  Orient  vor,  schon  auf  altassyrischen  und  ägyptischen
  Denkmälern,  so  in  Ojück  im  östlichen  Hochlande  Kleinasiens
  als  ein  Basrelief  der  syrisch-kappadozischen  Kunst  aus
dem  Anfange  des  letzten  Jahrtausends  vor  Christo  auf  der
Innenseite  einer  Sphinx,  desgleichen  auf  einem  Tempelfries
zu  Bogazköi,  nordwestlich  der  Stadt  Jüzgat  in  Kleinasien,