76  Drittes  Kapitel.

7.  Der  Jungfrauenadler  oder  die  Harpyie  (Abb.  149),
ein  Adler  mit  der  gekrönten  Büste  (Brust,  Hals,  Haupt)
einer  Jungfrau;  beide  Teile  abstechend  gemalt,  der  Adler
meist  schwarz  (Wappen  der  Stadt  Nürnberg).

Dies  sind  selbstredend  nur  die  charakteristischsten  und  in
der  Heraldik  am  meisten  vorkommenden  Phantasiegestalten,
doch  erscheinen  in  Wappen  noch  eine  Menge  von  solchen,
die,  wie  schon  oben  erwähnt,  aus  Zusammenschiebungen  von
verschiedenen  Tieren  oder  Menschen  und  Tieren  entstanden
sind.

Die  Abb.  150  und  151  zeigen  solche  Monstra,  und  zwar
ein  Zentaurenweib,  letztere  den  bekannten  Seelöwen  des
Nürnberger  Geschlechts  der  Imhof.

3.  Künstliche  Figuren.

In  alter  Zeit  wurden  die  verschiedenartigsten  Gegenstände
  der  Kunst  und  des  Handwerkes,  von  denen  es  auch
viele  gibt,  deren  Bedeutung  man  nicht  mehr  oder  wenigstens
nicht  mehr  allgemein  kennt,  in  die  Wappen  ausgenommen,
allein  man  darf  hierin  nicht  zu  weit  gehen,  wenn  man  die
Kunst  und  die  Regeln  der  Herolde  nicht  ganz  umstoßen  will.
Gegenstände  der  modernen  Industrie  und  neuester  Erfindungen
  sind  nicht  dazu  geeignet,  da  das  Wappen  immer
einen  gewissen  altertümlichen  Charakter  bewahren  soll  und
der  Schild  sonst  gar  zu  sehr  mit  dem  ritterlichen  Helm  darüber
in  Widerspruch  kommt;  will  man  doch  eine  Beziehung  zu
einem  derartigen  Gegenstande  ausdrücken,  so  wird  man  besser
tun,  ein  Symbol,  ein  andeutendes  Objekt,  das  heraldischen
Charakter  hat,  zu  wählen.  Es  muß  hier  ein  künstlerisches
Gefühl  leiten,  das  man  sich  durch  Bekanntschaft  mit  der  echten,
alten  Heroldskunst,  wie  das  Studieren  alter  Wappenbücher,
z.  B.  der  Zürcher  Wappenrolle,  der  Heidelberger  (früher
Manesseschen)  Liederhandschrift,  des  Arlberg-Bruderschaftsbuches,
  des  Grünenbergschen  Wappenbuches  usw.,  aneignen
wird.  Bestimmte  Regeln  lassen  sich  kaum  aufstellen.