Die  gemeinen  Figuren.  77

In  der  Zeichnung  muß  das  Wesentliche  und  ein  gewisses
altertümliches  Gepräge  beibehalten  werden,  wenn  sich  auch
im  Laufe  der  Zeit  die  Form  veränderte.  Manche  Gegen—
stände  in  alten  Wappen  sind  nicht  mehr  zu  bestimmen,  da  sie
außer  Gebrauch  gekommen  sind.  Wenn  man  daher  die  ursprüngliche
  Entstehung  der  Wappenbilder  und  ihre  heraldische
Entwickelung  erforscht,  so  werden  manche  rätselhafte  Figuren
klar.  Das  Studium  mittelalterlicher  Siegel,  Grabsteine,
Wappenrollen  kann  daher  vielen  Aufschluß  geben,  ebenso  das
der  Trachten,  Sitten,  Einrichtungen,  Gewerbe  usw.  Auch
das  Herkommen,  Stammland  und  der  Name  der  Familie,  da
oft  das  Wappenbild  eine  Beziehung  auf  die  Familie,  häufig
auch  auf  den  Namen  hat,  kann  vieles  erklären.

Die  künstlichen  Figuren  kann  man  einteilen  in:

1.  Bauwerke,  2.  Werkzeuge  und  Gerätschaften,
3.  Kleidungsstücke,  4.  Waffen.  Diese  Figuren  können
ganz  oder  teilweise  erscheinen.

Am  häufigsten  kommen  folgende  Bauwerke  vor:

1.  Türme,  meist  rund,  aus  Quadern  gebaut,  oben  mit
Zinnen,  mit  Tor  und  Schießscharten,  letztere  unverhältnismäßig
  groß,  oft  auch  spitz  bedacht,  mit  oder  ohne  goldenem
Knopf  oder  Wetterfähnchen  auf  der  Spitze,  auch  mit  kleinen
Ecktürmchen.  Farbe  meist  Silber;  Tore,  Fenster  u.  dgl.  schwarz.

2.  Burgen  (Abb.  152)  mit  Zinnenmauern,
  2  bis  3  Türmen,  in  der  Mitte
ein  großes  Tor,  oft  mit  Fallgitter.  Sie
werden  nicht  in  perspektivischer  Ansicht,
sondern  nur  andeutungsweise  im  Aufriß
dargestellt.

3.  Kirchen  bloß  in  der  Hauptform,
eine  Lang=  oder  eine  Giebelmauer  mit  Abb.  152.
hohen  Fenstern  und  2  bis  4  Türmen.

4.  Tore  in  Giebeln  oder  Mauern,  meist  mit  geöffneten
Flügeln  (Abb.  153),  häufig  auch  mit  Fallgitter  und  von
Zinnen  gekrönt.