Die  Helmkleinode.  107

Sebald  Geiger).  Es  sind  aber  auch  hier,  wie  bei  der  Wahl
der  Wappenbilder,  gewisse  Grenzen  zu  beobachten,  damit
ein  ritterlich-heraldischer  Charakter  bewahrt  bleibe,  die  das
heraldische  Gefühl  bezeichnen  muß.

Die  Lilie  als  Kleinod  auf  dem  Helme  wurde  in  früherer
Zeit  als  eine  sozusagen  doppelte,  kreuzweise  ineinandergestellte
  Kleve  dargestellt.  In  Wirklichkeit  war  das  Kreuz,
auf  dem  die  Klevenblätter  aufstanden,  beweglich  und  drehte
sich  lustig  im  Winde  (Abb.  210).

Das  Kleinod  ist,  wie  schon  angeführt,  nicht  immer  die
Wiederholung  der  Schildfigur,  ja  steht  sehr  oft  in  gar
keinem  bildlichen  Zusammenhange  mit  dieser.

Zu  jeder  Zeit  erlaubte  man  sich  mit  den  Kleinoden  viele
Freiheit,  oft  gab  man  die  Schildfigur  (Beil,  Schwert  u.  dgl.)
einer  menschlichen  Figur  auf  dem  Helme  zu  halten.  Man  war
überhaupt  nicht  ängstlich  in  bezug  auf  die  Form  des  Kleinodes;
so  führt  dasselbe  Geschlecht  bald  einen  ganzen  Flug,  bald  einen
Flügel,  einen  niederen  oder  Stulphut,  einen  Rumpf  oder  eine
wachsende  Figur,  wachsende  oder  ganze  Tiere,  oder  statt  eines
mit  einem  Hut  bedeckten  Rumpfes  setzte  man  den  Hut  allein
auf  den  Helm  und  umgekehrt.  Ebenso  wurden  die  Schildfiguren
  als  Kleinode  verziert,  mit  Federn,  Ballen  u.  dgl.  besetzt
  und  mehr  ornamental  behandelt.

In  manchen  Fällen  setzte  man  über  den  Wappenschild  einer
Familie  den  Kleinodhelm  eines  anderen  Wappens,  das  durch
Heirat,  Erbschaft,  Kauf  usw.  erworben  war;  der  Schild  des
einen  Wappens  wurde  dann  mit  dem  Kleinod  des  anderen  zu
einem  neuen  Wappen  vereinigt.  Oder:  ein  Geschlecht  nahm
einen  fremden  Schild  an  und  behielt  das  eigene  Kleinod  bei.
Auch  ist  manchmal  das  Kleinod  von  einem  früher  geführten
Wappen,  während  die  Schildfigur  später  angenommen  wurde,
oder  die  verschiedenen  Linien  einer  Familie,  die  dasselbe
Wappen  führten,  nahmen  zur  Unterscheidung  verschiedene
Kleinode  an.  Endlich  wurden  als  Auszeichnung  gewisse
Kleinodsfiguren  verliehen,  z.  B.  der  Reichsadler.  Manche
sind  auch  Abzeichen  einer  bestimmten  Amtsgewalt  oder  ge-