Die  Helmkleinode.  109

(wie  in  England  häufig  geschieht)  erscheinen  dürfen;  Helm
und  Kleinod  sind  unzertrennlich  verbunden,  eines
ohne  das  andere  ist  unheraldisch.

Es  kommen  auch  Fälle  vor,  daß  der  Helm  mit  dem  Kleinod
ganz  überzogen  wird,  wobei  auch  die  Helmdecken  entfallen,
z.  B.  im  Wappen  der  Landschaden  von  Steinach,  wo  ein
Haupt  mit  langem  Bart  und  Haaren  den  Helm  ganz  bedeckt,
sozusagen  überzieht,  wie  dies  auch  bei  dem  hier  gegebenen
Beispiel,  Teufelsfratze  (Abb.  211),  aus  der  Züricher  Rolle
zu  ersehen  ist.

Zur  Zeit  der  lebenden  Heraldik  waren  die  Kleinode  aus
Leder,  Holz,  Pappe,  Blech,  Flechtwerk,  in  Leim  mit  Kreide
getränkter  Leinwand,  Tuch  (die  Hüte)  u.  dgl.  gefertigt.

Das  Kleinod  war  auf  dem  Helm  entweder  unmittelbar
durch  Schnüre.  Schrauben,  Ohre  und  durchgezogene  Stäbchen,
  wofür  man  an  Originalhelmen  noch  die  Löcher  sieht,
oder  durch  Vermittelung  eines  ring=  oder  reifartigen
Körpers,  der  zu  gleicher  Zeit  die  Verbindungsstellen  verdeckt,
  befestigt.

Diese  vermittelnden  Unterlagen  sind:

1.  Die  Helmkronen  (nicht  zu  verwechseln  mit  den
Rangkronen,  von  denen  im  siebenten  Kapitel  die  Rede  sein
wird);  es  sind  kleine  Kronen  von  einfacher  Form,  in  der
Regel  mit  vier  Zinken,  die  in  gotische  Blätter,  Kleeblätter
oder  Lilien  endigen;  aus  ihnen  geht  das  Kleinod  hervor
(Abb.  196,  202,  208).  Die  Kronen  waren  anfangs  eine
Auszeichnung,  wurden  aber  später  sehr  allgemein  und  werden
in  neuerer  Zeit  auf  jedem  adeligen  Helm  angebracht,  oft  gegen
die  Natur  des  Kleinodes,  das  dadurch  gezwängt  und  beengt
erscheint.  Sie  sind  keineswegs  unerläßlich,  wie  manche
(namentlich  die  Heraldiker  von  Amts  wegen)  glauben.

2.  Wulste,  Bauschen  und  Binden,  erstere  wie
Kränze  oder  Ringe  aus  Zeugstreifen  zusammengedreht,
welche  die  Farben  des  Schildes  haben,  oder  aus  einem  Tuch
gewunden  und  mit  derartig  farbigen  Bändern  ummickelt;
die  Enden  bilden  herabhängende  oder  flatternde  Bänder