Die  Helmdecken.  111

Im  14.  Jahrhundert  erscheinen  die  Helmdecken  schon  als
ein  malerisch  und  symmetrisch  in  Falten  gelegtes  Mäntelchen
(Abb.  190)  oder  flatterndes  Tuch  (Abb.  191),  anfangs  klein,
später  größer,  bisweilen  auch  eng  an  dem  Helm  anliegend
(Abb.  206).  Die  Decken  hängen  oft  mit  den  Kleinoden  zusammen,
  insbesondere  bei  Rümpfen  erscheinen  sie  bloß  als  der
herabhängende  Ausgang  ihrer  Bekleidung  (Abb.  203  bis  207).
Der  Rand  wurde,  wie  die  Gewandsäume  in  dieser  Zeit,  gewöhnlich
  rund,  blattartig  oder  spitz  ausgeschnitten  (Abb.  181,
186).  Diese  Einschnitte  machte  man  dann  immer  tiefer,  so
daß  förmliche  ausgezackte  Streifen  daraus  entstanden,  was
man  gezaddelte  Decken  nennt.  Auch  werden  sie  an  den
Enden  mit  Schellen,  Fransen,  Troddeln,  Quasten  besetzt,  was
jedoch  nicht  sehr  gewöhnlich  ist.

Die  ausgeschnittenen  Streifen  werden  immer  mehr  bandartig,
  die  Bewegung  immer  stärker  ausgeprägt  und  schwungreicher;
  sie  erscheinen  nach  der  Mitte  des  15.  Jahrhunderts
nur  mehr  als  lange  blattartig  ausgeschnittene  Bänder
(Abb.  198,  206),  bis  sie  sich  schließlich  als  krause,  zackige,
arabeskenartige  Schnörkel  darstellen,  die  in  verschiedenartigen
  Windungen  mit  umschlagenden  Zipfeln  oft  den
ganzen  Schild  umgeben  (Abb.  158).  Sie  werden  besonders
im  16.  Jahrhundert  gar  nicht  mehr  als  Decken,  sondern  als
schnörkelige  Laubornamente  behandelt,  in  denen  sich  die
jeweilige  Geschmacksrichtung  ausprägt.  Die  alten  Künstler
entwickelten  hier  einen  großen  Formenreichtum  und  ließen
ihrer  Phantasie  freies  Spiel,  denn  man  findet  unter  den
unzähligen  Wappen  kaum  zwei  gleiche  Muster.

In  der  schnörkeligen  Form  wurden  die  Decken,  aus
Leder,  steifer  Leinwand  oder  Blech  gefertigt,  auch  wirklich
auf  den  Turnierhelmen  im  15.  und  16.  Jahrhundert  noch
getragen.

In  der  Regel  ist  die  Außenseite  und  die  Innenseite  (das
Jutter)  der  Helmdecken  von  verschiedener  Farbe,  und  zwar
gibt  man  diesen  beiden  zumeist  die  Tinkturen  des  Schildes;
da  aber  bei  diesem  Farbe  und  Metall  wechseln,  so  erhält  auch