112  Sechstes  Kapitel.  Die  Helmdecken.

die  Decke  eine  Farbe  und  eine  Metalltinktur,  und  zwar
ist  gewöhnlich  das  Metall  innen,  die  Farbe  außen,  obwohl
dies  keine  feststehende  Regel  ist.  Wenn  die  Schildfigur  die
Naturfarbe  hat,  die  sich  also  auf  der  Decke  nicht  darstellen
läßt,  so  wählt  man  die  derselben  am  nächsten  kommende
heraldische.  Ist  das  Kleinod  unmittelbar  mit  der  Decke
verbunden,  so  setzt  sich  die  Farbe  desselben  auf  der  Helmdecke
fort.  Auch  aus  Hermelin  oder  Kürsch  bestehen  die  Helmdecken
(Abb.  194),  oder  sie  wurden  mit  Schildfiguren  durch  Stückung
besetzt,  mit  Rauten,  Wecken,  Schach,  Feh  usw.,  oder  mit  denselben
  besäet,  z.  B.  mit  Lilien,  Lindenblättern  usw.

Hier  muß  auch  bemerkt  werden,  daß  die  Heraldik  keine
Regel  kennt,  wonach  die  Farben  der  Helmdecken  mit  denen
des  Schildes  übereinstimmen  müssen.  Die  gute  alte  Heroldskunst
  kennt  genug  Beispiele,  wo  dies  durchaus  nicht  der  Fall
ist.  Erst  die  moderne  Kanzleiheraldik  hat  sich  zu  ihren
übrigen  höchst  fraglichen,  wissenschaftlich  ganz  unhaltbaren,
ja  oft  widersinnigen  Vorschriften  auch  die  Regel  von  der
Farbenübereinstimmung  zwischen  Schild  und  Helmdecke  erfunden.


Bei  zwei  oder  mehr  Helmen  auf  einem  Schilde  muß
selbstverständlich  jeder  Helm  seine  eigene  Decke  haben,  und  es
ist  unzulässig,  eine  Decke  über  mehrere  Helme  zu  breiten.

Ist  es  wünschenswert,  die  Farben  von  zwei  Wappenplätzen
  oder  zwei  Schilden  auf  der  Helmdecke  eines  Helmes,
also  auf  der  Helmdecke  alle  vier  Farben  anzubringen,  so  teilt
man  die  Decke  von  der  Mitte  des  Helmes  ab  und  gibt  der
rechten  Seite  die  Tinkturen  des  vornehmeren  Schildes,  de
linken  Seite  die  des  anderen.

In  neuerer  Zeit  werden  bei  vier  Wappen,  die  nur  einen
Helm  haben,  die  beiden  Seiten  der  Helmdecken  wieder  der
Quere  nach  geteilt,  in  eine  obere  und  untere  Hälfte,  wobei
die  obere  Seite  rechts  die  vornehmste  ist;  so  kann  man  acht
Tinkturen  auf  einer  Decke  mit  Beziehung  auf  die  Wappen
des  Schildes  erhalten.  Indes  ist  eine  solche  oftmalige
Teilung  nicht  zu  empfehlen,  da  dadurch  die  Helmdecke  zu