114  Siebentes  Kapitel.

1.  Die  Rangkronen.

Die  statt  des  Helmes  über  den  Schild  gesetzten  Kronen,
die  durch  ihre  Form  oder  sonstige  Ausstattung  die  Würde,
den  Rang  des  Wappenherrn  bezeichnen,  sind  die  sogenannten
Rangkronen.  Sie  sind  daher  zu  unterscheiden:  1.  von  den
Helmkronen,  die  zur  Vermittelung  von  Helm  und  Kleinod
angebracht  werden,  2.  von  den  Kronen,  die  eine  bloße  Zierde
der  Schild=  oder  Kleinodfiguren  bilden  (z.  B.  Menschen  oder
Tieren  aufgesetzt).  Diese  beiden  Gattungen  sind  keine  selbständigen
  Kopfbedeckungen,  wohl  aber  die  Rangkronen.

Da  die  Kronen  ein  Zeichen  der  Souveränität  sind,  so
kommen  solche  eigentlich  nur  fürstlichen  Personen  oder  deren
Nachkommen  zu,  aber  in  neuerer  Zeit  ist  die  Sitte,  Kronen  statt
des  Helmes  auf  den  Wappenschild  zu  setzen,  von  dem  ganzen
Adel,  auch  vom  niederen,  angenommen  worden.

Von  Rangkronen  sind  vornehmlich  zu  unterscheiden  solche,
die  von  gekrönten  Häuptern  wirklich  getragen  wurden  und
noch  werden:  Kaiser=  und  Königskronen  usw.,  und  solche,
die  nicht  wirklich  getragen  werden,  sondern  nur  den  Rang
bezeichnen:  (Grafen-,  Freiherrn-,  Edelleutekronen.

Unheraldisch  sind  die  Mauer-,  Schiff-,  Palissadenkronen
und  dergleichen.

Die  deutsche  Kaiserkrone  erscheint  in  der  alten  Heroldskunst
  als  eine  Blätterkrone  mit  einem  oder  mehreren  hohen
Bügeln,  ziemlich  verschiedenartig  dargestellt.

Merkwürdigerweise  erscheint  die  eigentliche  deutsche
Kaiserkrone  niemals  in  der  alten  Heraldik,  sondern  stets
nur  die  vorher  erwähnte  Bügelkrone  und  später  die  sogenannte
Hauskrone,  gegenwärtig  die  österreichische  Kaiserkrone;
Abb.  212  zeigt  diese  so  dargestellt,  wie  sie  wirklich  aussieht.

Die  eigentliche  Krone  des  römisch-deutschen  Kaiserreiches
besteht  aus  acht,  oben  abgerundeten,  mit  Emailbildwerk  verzierten
  Schildchen  und  einem  perlenbesetzten  Bogen  von  vorne
nach  hinten,  vorne  ein  Kreuz.  Sie  wurde  Karl  dem  Großen
zugeschrieben,  ist  aber  eine  in  Sizilien  wahrscheinlich  von