Die  heraldischen  Rang-  und  Würdezeichen.  119

Übrigens  sind  die  Formen  vieler  Kronen  auf  Wappen
nicht  feststehend  und  ziemlich  willkürlich;  so  kommen,  wie
schon  oben  angegeben,  als  deusche  Kaiser-  und  Königskronen
auch  ornamentale,  verschiedenartige  Formen  vor,  die  nicht
wirklich  existierten.

Die  Rangkronen  für  den  Adel  sind  natürlich  Phantasiegebilde
  und  bestehen  aus  Reifen  mit  Edelsteinen  (gewöhnlich
Rubinen  und  Smaragden  abwechselnd  in  runder  und  vier—
eckiger  Fassung)  besetzt,  mit  Blatt-  oder  Perlenzinken.  In
den  verschiedenen  Ländern  sind  die  Formen  nicht  gleich,  und
es  besteht  kein  für  alle  Länder  gültiges  System;  in  Deutschland
  hat  man  in  neuerer  Zeit  folgendes  angenommen:

Abb.  221.  Abb.  222.

a)  Grafen  führen  eine  Krone  mit  neun  Kugeln  oder
großen  Perlen  (im  Runden  also  sechzehn  Kugeln),
Abb.  220.

b)  Freiherren  mit  sieben  Perlen  (im  Runden  zwölf),
Abb.  221.  In  älterer  Zeit  führen  sie  einen  einfachen
Reif  mit  einer  Perlenschnur  umwunden.

e)  Ritter  und  Edelleute  haben  fünf  Perlen  (im
Runden  acht),  Abb.  222.

Statt  der  Rangkronen  mit  Perlen  oder  Kugeln  bedient
man  sich  in  neuerer  Zeit  wieder,  in  Anlehnung  an  die  Mode
des  17.  und  18.  Jahrhunderts,  der  Blätterkrone,  und  zwar
für  den  hohen  Adel  (hier  Freiherren  und  Grafen)  solcher
mit  fünf  (Abb.  223)  und  für  den  niedern  (Ritter  und  Edelleute)
  mit  drei  Blättern  (Abb.  224),  was  jedenfalls  von
Besserung  des  Geschmackes  zeugt  und  den  obigen  wenig  hübschen
Formen  vorzuziehen  wäre.