Die  heraldischen  Prachtstücke.  137

eine  Art  von  Baldachin  darüber  bildet,  so  ist  dies  ein
Wappenzelt.

Manchmal  sieht  man  auch  die  Helmdecke  zu  einer  Art
Mantel  erweitert,  an  den  Seiten  aufgebauscht,  Ende  des  16.
und  im  17.  Jahrhundert.

Die  Wappenmäntel  sind  außen  meist  purpurn,  rot  oder
blau,  das  Futter  Hermelin;  die  Außenseite  ist  oft  mit  dem
Hauptwappenbild,  Adlern  (Preußen),  Lilien  (das  Königreich
Frankreich),  Bienen  (das  französische  Kaiserreich)  u.  dgl.
besäet.  Der  Rand  ist  mit  Fransen  besetzt,  an  den  Enden  der
Schnüre  hängen  goldene  Quasten.

Die  Wappenmäntel  und  Wappenzelte  kamen  im  17.  Jahrhundert
  auf,  der  Erfinder  derselben  ist  der  Franzose  Philipp
Moreau,  und  die  französischen  Könige  wendeten  sie  zuerst
um  1680  an.  Der  Gedanke  dazu  ist  in  den  Vorhängen  und
Tronbaldachinen  der  alten  Fürstensiegel  zu  suchen,  auf  denen
die  Regenten  auf  dem  Throne  sitzend  dargestellt  erscheinen.

Es  ist  in  der  Natur  der  Sache  gelegen,  daß  sich  nur
sürstliche  Personen  eines  Wappenmantels  zur  Ausschmückung
ihrer  Wappen  bedienen.

3.  Wahlsprüche  (Devisen).

Devisen  sind  entweder  Figuren  mit  einer  bestimmten
Beziehung,  als  Erkennungszeichen,  die  an  einer  untergeordneten
  Stelle  des  Wappens  angebracht  werden  (in
England  badges  genannt),  oder  Wortdevisen,  Sinnsprüche
oder  Sentenzen,  teils  rätselhaft,  in  einzelnen  Buchstaben,
teils  klar,  ausgeschriebene  Mottos.

Erstere  Gattung,  fast  nur  in  englischen  Wappen  vorkommend,
  besteht  in  gewissen  Bildern,  Tieren,  Blumen  u.  dgl.,
die  neben,  über  dem  Schild  oder  in  demselben  als  Verzierung,
Gewandsaum  u.  dgl.  angebracht  werden;  so  z.  B.  die  weiße
Rose  des  Hauses  York  und  die  rote  von  Lancaster;  nach  dem
Untergang  dieser  beiden  Häuser  (1485)  nahm  das  Haus
Tudor  dann  eine  Rose  mit  beiden  Farben  als  badge  an.