Die  Heraldik  in  verschiedenen  Ländern.  153

Schildfiguren  wurden  überladen  und  übermäßig  kompliziert,
mit  Rangzeichen  hinter  dem  Schild  ein  wahrer  Unfug  ge—
trieben.

In  Italien,  Spanien  und  Portugal  schließt  sich  die
Heraldik  zum  großen  Teile  der  französischen  an;  in  den
beiden  letzteren  Ländern  kommen  gestückte  Einfassungen
(Borde)  sowie  Schildhalter  besonders  häufig  vor.  In
Italien,  wo  die  Neigung  zum  klassischen  Altertum  nie  ausstarb
  und  die  großen  Denkmale  desselben  immer  auf  die
Geschmacksrichtung  Einfluß  hatten,  zeigt  sich  eine  Vorliebe
für  mythologische  (antike)  Figuren  und  derlei  Schildhalter,
auch  Federn  waren  hier  sehr  beliebt.

Die  englischen  Wappen  zeigen  eckige  Schildformen,  unten
zugespitzte,  oben  oft  mit  ausspringenden  Winkeln  versehene
Schilde  (fast  wie  ein  gestürzter  Eisenhut)  und  zuweilen  auch
runde,  um  dieselben  als  Umrahmung  eine  Art  Riemen  ge—
schnallt,  der  die  Devise  enthält.  Sehr  häufig  sind  Pelzwerke.
Die  gemeinen  Figuren  werden  nicht  im  heraldischen  Schnitt,
sondern  möglichst  naturgetreu  dargestellt.  Als  Bilder  sind
auf  das  Seeleben  bezügliche  Objekte:  Schiffe,  Leuchttürme,
Ruder  und  dergl.  sehr  beliebt.  Das  System  der  Beizeichen
ist,  wie  in  Frankreich,  streng  entwickelt  und  durchgeführt.
In  bezug  auf  das  Oberwappen  wurden  in  England  schon
in  älterer  Zeit  die  Helme  weggelassen  und  bloß  die
Kleinode  (Crests)  auf  einem  Wulst  freischwebend  über  dem
Schild,  selbst  statt  des  vollständigen  Wappens  (ohne  Schild)
geführt  (Abb.  186).  Es  hat  sich  hier  eine  eigene  Theorie  der
Kleinode  ausgebildet.  Sie  erscheinen  oft  unpassend  gewählt
(z.  B.  Schiffe  auf  dem  Meere,  der  Erdglobus,  moderne
Figuren  und  dergl.).  Auch  die  Schildhalter  stehen  häufig  in
Beziehung  auf  das  Meer:  Matrosen,  Tritonen  usw.  Devisen
sind  sehr  allgemein  und  gelten  fast  für  unerläßlich;  sie  zeichnen
sich  oft  durch  Kürze  und  schlagende  Kernhaftigkeit  aus.

In  Deutschland  hat  sich  die  Heraldik  am  allseitigsten  und
sachgemäßesten  ausgebildet  und  zum  Teil  bis  jetzt  erhalten.
Die  Formen  erscheinen  im  14.  und  15.  Jahrhundert  in  echt