parteiische  Feindseligkeien  beseitigt  würden,  damit,  wenn  die  schwere  Stunde  Deutschlands  schlüge,  Deutschland
  innerlich  stark  und  einig  dastehe.

Und  das  Stundenglas  des  Friedens  war  abgelaufen.  Die  Schicksalsstunde  der  Weltenvölker  schlägt  demnächst,

Die  Uhr  warnt  schon.  —  —  —

Im  ganzen  Geschäftsleben,  nicht  nur  im  Deutschen  Reiche,  nein,  überall  in  der  ganzen  Welt,  machte  sich
ein  unheimlicher  Druck  bemerkbar.  Kein  Geschäft  will  mehr  so  recht  gehen,  mit  verzweifelter  Anstrengung  ist
man  da  und  dort  bemüht,  das  Geschäft,  den  Handel,  die  Schiffahrt,  Gewerbe  und  Industrie  hochzubringen,
wenigstens  vor  dem  Zurückgehen  zu  schützen,  es  gab  keinen  Fortschritt  mehr,  es  war  ein  Stillestehen,  —  ein
Rückschritt.  Die  ausländischen  Geschäfte  bestellten  und  bezahlten  nicht  mehr.  Viele  Geschäfte  stellten  schon
Zahlungen  ganz  ein.

Dumpf  und  schwer  schlägt  die  Schicksalsstunde.

Auf  dem  Balkan  gärt  es  überall.  Die  Staaten  waren  infolge  des  Balkankrieges  1913  herabgedrückt
zur  Unfähigkeit  in  Handel,  Gewerbe  und  Industrie.

Auf  den  Albanischen  Thron  setzten  die  Neutralen  Staaten  den  deutschen  Fürsten,  Wilhelm  von  Wied,  dieser
hatte  um  die  Existenz  seines  Ländchens,  ja  um  diejenige  seines  eignen  Lebens  zu  kämpfen  und  zu  sorgen.
Längst  wurde  ihm  bedeutet,  er  soll  wieder  heimwärts  ziehen,  doch  er  wollte  mit  eiserner  Zähigkeit  aushalten.
Kämpfe  und  Aufstände  folgten  jeden  Tag,  man  war  um  sein  Leben  besorgt  und  man  harrte  überall  mit
gespannter  Aufmerksamkeit  der  Dinge,  die  da  kommen  sollten.

Da  mit  einemmale  wurde  die  Aufmerksamkeit  von  ihm  abgelenkt.

Am  28.  Juni  1914  hatten  Mörderhände  den  österreichischen  Thronfolger  Franz  Ferdinand  mit  seiner
hohen  Gemahlin  Herzogin  von  Hohenberg  ermordet.  Bei  näherer  Feststellung  stellte  es  sich  heraus,  daß
Serben  es  waren,  die  eigens  hierzu  nach  Serajewo  in  Bosnien,  wo  das  Thronfolgerpaar  anläßlich  der  Armeeinspizierung
  weilte,  gekommen  waren  —  und  die  tötlichen  Bomben  geworfen  hatten.

Diese  Trauer-  und  Schreckenskunde  durcheilte  die  ganze  Welt.  Alles  war  aufs  höchste  empört,  ganz
Deutschland  trauerte  mit  seinem  freundschaftlich  —  aufs  engste  verbündeten  Bundesgenossen.  Allgemeines
tiefstes  Mitgefühl  mit  dem  greisen  erhabenen  nun  84  jährigen  Kaiser  Franz  Josef  von  Österreich  erfaßte  die
ganze  Welt.

Auch  unser  Kaiser  war  in  tiefste  Trauer  versetzt  um  des  ermordeten  Freundes  willen  und  dessen  hoher
Gemahlin.

Kaiser  Wilhelm  sah  wohl  voraus,  daß  dieser  Schlag  nicht  nur  Österreich-Ungarn,  nein  auch  ganz  speziell
  Deutschland  galt.  Die  Schicksalsstunde  der  beiden  treu  verbündeten  Staaten  Deutschlandt  und  Österreich
  hatte  geschlagen.

Die  weitere  Untersuchung  des  Mordes  ergab  das  folgenschwere  Resultat,  daß  der  Mord  auf  Anstiftung
und  Unterstützung  von  der  serbischen  Regierung  ausgeführt  worden  ist.

Die  nachkommenden  Tage  und  Wochen  und  die  weitere  Entwicklung  der  Dinge  zeigen  nur  zu  deutlich,
daß  Rußland,  und  nicht  am  wenigsten  England  die  größte  Mitschuld  daran  tragen.  —  Die  Sonne  bringt
es  an  den  Tag.

Österreich-Ungarn  mußte  handeln,  um  nicht  schließlich  der  Gefahr  ausgesetzt  zu  werden,  daß  Serbien  mit
russischer  Rückendeckung  die  Existenz  Österreichs  unterwühle  und  zerstöre  und  damit  auch  das  Deutsche  Reich
in  Mitleidenschaft  ziehe.  —  Österreich  stellte  den  Serben  ein  Ultimatum,  in  welchem  es  Bestrafung  der
Mörder  und  deren  Hintermänner  forderte,  und  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  hergestellt  wissen  wollte.

Da  die  Forderungen  nicht  bewilligt  wurden,  so  erklärte  Österreich  den  Serben  innerhalb  48  Stunden
den  Krieg.

Als  ersten  Mobilisierungstag  setzte  Österreich  den  28.  Juli  fest.

Der  Krieg  sollte  lokalisiert  bleiben,  was  mit  anderen  Worten  besagt,  daß  die  Verbündeten,  solange
Österreich  mit  Serbien  kämpfe,  mit  dem  Kriege  nichts  zu  tun  hätten.  Als  selbstverständlich  wurde  es  bezeichnet,
daß  sofern  Rußland  Serbien  unterstütze,  die  Verbündeten,  Deutschland  und  Italien  —  dann  auch  miteingreifen
  müßten.

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