Der  französische  Präsident,  Poincaré  hatte  zu  gleicher  Zeit  in  Rußland  Besuch  am  Hofe  gemacht  und
beabsichtigte  nachher,  auch  an  den  nordischen  Höfen  Dänemark,  Norwegen  und  Schweden  Besuche
abzustatten.

Der  Deutsche  Kaiser  weilte  auf  seiner  Nordlandsreise  in  Balestrand.

Infolge  der  Kriegeerklärung  Österreichs  an  Serbien  brach  der  Präsident  seinen  Besuch  in  Rußland  plötzlich
ab  und  telegraphierte  den  nordischen  Höfen,  daß  er  infolge  der  ernsten  Lage  für  Frankreich  seine  Besuche
auf  eine  andere  Zeit  verschieben  müsse.

Er  reiste  nach  Paris.

Immer  lauter  wurde  der  Verdacht,  daß  Rußland  und  Frankreich  mobilisieren.

Was  blieb  uns  Deutschen  anderes  übrig?

Kaiser  Wilhbelm  kehrte  nach  Berlin  zurück.

Er  verlangte  von  Rußland  bestimmte  Antwort,  wie  es  sich  zu  Österreich-Ungarn  im  serbischen  Kriege
verhalte.

Die  erbetene  Antwort  wurde  ihm  nicht  zuteil  —  es  wurde  aber  bekannt  gegeben,  und  am  1.  August  traf  die
Nachricht  des  deutschen  Botschafters  ein,  daß  die  allgemeine  Mobilmachung  der  russischen  Armee  und
Flotte  befohlen  worden  sei.

Darauf  hat  der  Deutsche  Kaiser  den  Zustand  der  drohenden  Kriegsgefahr  befohlen.

Juli

zwischen  5  und  6  Uhr  nachmittags  hielt  der  Kaiser  vom  Balkon  des  Berliner  Schlosses  herab  im  Beisein
der  Kaiserin  und  der  kaiserlichen  Prinzen  eine  Ansprache  an  das  Volk,  die  folgenden  Wortlaut  hatte:

Eine  schwere  Stunde  ist  heute  über  Deutschland  hereingebrochen.

Neider  überall !  zwingen  uns  zur  gerechten  Verteidigung.  Man  drückt  uns  das  Schwert  in  die  Hand.

Ich  hoffe,  daß  wir,  wenn  es  nicht  in  letzter  Stunde  meinen  Bemühungen  noch  gelingt,  die  Gegner
zur  Einsicht  zu  bringen,  und  den  Frieden  zu  erhalten,  das  Schwert  mit  Gottes  Hilfe  so  führen  werden,
daß  wir  es  mit  Ehren  wieder  in  die  Scheide  stecken  können.

Enorme  Opfer  an  Gut  und  Blut  würde  der  Krieg  von  uns  erfordern.  Die  Gegner  aber  würden

erkennen,  was  es  heißt,  Deutschland  anzugreifen.

Und  nun  empfehle  ich  Euch  Gott.  Jetzt  geht  in  die  Kirche,  kniet  nieder  vor  Gott
und  bittet  ihn  um  Hilfe  für  unser  braves  Heer.

Die  ganze  kaiserliche  Familie  nahm  am  selben  Abend  im  Berliner  Schloß  das  heilige  Abendmahl.
Um  7  Uhr  abends  fand  dann  im  kgl.  Schlosse  Bellevue  in  Berlin  die  Trauung  des  kaiserlichen  Prinzen
Oskar  von  Preußen  mit  der  Gräfin  Ina  Marie  von  Bassewitz  statt.  Die  Gräfin  führt  künftighin
den  Titel  einer  Gräfin  von  Ruppin.

Der  dritte  Sohn  des  Kaiserpaares  Prinz  Adalbert  von  Preußen  verlobte  sich  noch  an  demselben
Abend  mit  der  Prinzessin  Abi  von  Sachsen-Meiningen.

August.
Abends  6  Uhr  hat  der  Deutsche  Kaiser  die  Mobilmachung  des  Heeres  und  der  Flotte
angeordnet.

3.  August.

Die  Lebensmittelpreise  steigen  horrend.  Von  den  Behörden  sind  noch  keine  Normen  hierfür  festgesetzt  worden.

Die  Einberufenen  fahren  nach  allen  Himmelsrichtungen  in  ihre  Garnisonen.  Beinahe  jede  Viertelstunde
fahren  Züge  dichtgefüllt  hinaus.  Die  Stimmung  ist  fröhlich  und  munter.  Tausende  begrüßen  die  Hinausziehenden
  mit  Tücherschwenken  und  Hurras  und  auf  Wiedersehen.

Ja,  auf  Wiedersehen,  wer  weiß  ob  wir  wieber  kommen!