Schon  kommen  beunruhigende  Nachrichten  von  der  französischen  Grenze  von  Völkerrechtsbrüchen.
In Paris  haben  sie  den  berühmten  Sozialistenführer  Jaures  meuchlings  ermordet.

Ängstlich  hört  man  die  Frage  aufwerfen:  Wer  bleibt  denn  neutral?  Man  hat  alle  Vermutungen,  aber
fast  keine  traf  zu.

Vorerst  sind  noch  Italien,  Dänemark,  Schweden,  Norwegen  und  Spanien,  sowie  Holland  und  Luxemburg,
  Griechenland,  Türkei,  Bulgarien  und  Rumänien  und  Schweiz  neutral.

Portugal  ist  heute  noch  nicht  reif,  ob  es  seine  Abhängigkeit  von  England  beibehalten  will  oder  ob  es  auch
neutral  bleiben  soll.  Doch  auch  England  wird  ihm  keine  Ruhe  lassen.

Als  offene  Feinde  haben  wir  heute  Rußland,  Frankreich,  Serbien  und  Montenegro.  Der  weitere  Verlauf
wird  auch  England,  Belgien  und  Japan  gegen  uns  erstehen  sehen.

Die  Generale  der  verschiedenen  Armeekorps  haben  ihre  Korpsbezirke  schon  am  31.  Juli  in  Kriegszustand
erklärt.  Gleichzeitig  wurden  teilweise  Marinereservisten  der  Landwehrbezirke  einberufen  und  angeordnet.

Hans  plaudert:

Die  Überstürzung  überall  ist  unglaublich.  Es  ist  ja  wohl  begreiflich,  alles  wird  aus  dem  seitherigen  Betriebe
herausgerissen  und  Personal  und  Chef  verlassen  die  Räume,  wo  sie  friedlich  gearbeitet  haben,  vielleicht  auf
Nimmerwiedersehen.

Wie  mancher  Vater  nimmt  auf  ewig  Abschieb  von  seinen  Lieben,  wie  mancher  hoffnungsvolle  Sohn  ruft
seinen  betagten  Eltern  ein  herzliches  Lebewohl  zu,  weiß  er  ja  nicht,  ob  er  die  Alten  wieder  und  noch  am  Leben
antrifft!  —  —  Wie  manche  Familie  verliert  ihren  Ernährer.  —

4.  August.

Der  Anfang  des  Krieges  machte  sich  überall  bemerkbar.  Der  russische  Botschafter  Swerbejew  hat  Berlin
verlassen.  Der  russische  Kultusminister  Kassow  ist  auf  der  Durchreise  in  Landsberg  an  der  Warthe  verhaftet
worden.  Kalisch  ist  vom  deutschen  ersten  Bataillon  Inf.-Reg.  155  besetzt  worden.  Czenstochau  von  deutschen
Truppen  genommen.  Auch  Bendlin  fiel  in  unsere  Hände.  Französische  Flieger  und  russische  Spione  tauchen
da  und  dort  auf.  Die  Franzosen  haben  kompagnieweise  deutschen  Boden  (Lothringen)  betreten,  sie  haben  Orte
des  Gottestales,  Mezeral,  Markirch,  und  den  Schlichtpaß  besetzt.  Die  Begeisterung  und  Spannung  der  deutschen
Gemüter  ist  auf  den  Siedepunkt  gestiegen.  Der  Landsturm-Aufruf  besagt,  das  erste  Aufgebot  reicht  vom  17.
bis  39.  das  zweite  vom  39.  zum  40.  Lebensjahre.  Die  Pferdeankäufe  finden  überall  statt.  —  Die  Stadt  Altona
hat  die  von  der  Insel  Helgoland  geflohenen  Einwohner,  über  looo  an  der  Zahl,  aufgenommen.  Papiergeld
wird  immer  Zahlungsgeld  bleiben.  —  Die  Studenten  aller  deutschen  Universitäten  ziehen  in  den  Krieg.

Hans  plaudert:
3.  August.

Abends  wurde  der  Alsterpavillon  in  Hamburg  von  den  Insassen  gestürmt,  weil  ein  Gast,  der  Telegramme
vorlesen  wollte,  zur  Türe  hinausgesetzt  wurde  und  zwar  vom  Pächter  selbst.  B.  ist  schwer  verwundet.  —  Die
Preise  der  Lebensmittel  werden  von  staatlicher  Seite  festgesetzt  und  hören  die  horrenden  Preissteigerungen
verschiedener  Firmen  nun  auf.  Wucher  darf  damit  jetzt  keiner  mehr  getrieben  werden.  —  Gott  sei  Dank!

5.  August.

Das  ganze  Reich  zeigt  eine  großzügige  Hilfsbereitschaft.  —  Der  Kriegs-Reichstag  ist  heute  im  königl.
Schloß  in  Berlin  durch  den  Kaiser  mit  einer  Thronrede  eröffnet  worden,  deren  Schlußworte  ich  doch  wiedergeben
  möchte.

Nach  dem  Beispiele  unserer  Väter,  fest  und  getreu,  ernst  und  ritterlich,  demütig  vor  Gott  und  kampfesfroh
  vor  dem  Feind.  So  vertrauen  wir  der  ewigen  Allmacht,  die  unsere  Abwehr  stärken  und  zu  einem
guten  Ende  lenken  wolle.

Auf  Sie,  geehrte  Herren,  blickt  heute,  um  seine  Fürsten  und  Führer  geschaart  das  ganze  Deutsche
Volk.  Fassen  Sie  Ihre  Entschlüsse  einmütig  und  schnell.  Das  ist  mein  innigster  Wunsch!  Sie  haben

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