Die  Herzogin  Viktoria  Luise  (Tochter  unseres  Kaiserpaares)  von  Braunschweig  übernimmt  während
der  Abwesenheit  ihres  Gemahls  im  Kriege  die  Regentschaft.

7.  August.

Die  Festung  Lüttich  ist  heute  im  Sturm  genommen  worden.

Die  Montenegrinische  Regierung  hat  Österreich-Ungarn  erklärt,  daß  Montenegro  sich  als  im  Kriegszustande
  mit  Österreich-Ungarn  befindlich  betrachte.

In  Russisch-Polen  ist  der  Aufruhr  ausgebrochen.  Dem  Aufrufe  der  Mobilisation  leistete  kein  Wehrpflichtiger
  folge.  Es  entstand  zwischen  Arbeitern  und  Kosaken  ein  heftiger  Kampf,  dem  die  Kosaken  weichen  mußten.
Das  Elektrizitätswerk  des  ganzen  Industriebezirkes  wurde  in  die  Luft  gesprengt.

Dänemark  erklärte  für  den  Krieg  zwischen  Deutschland  und  England  vollständige  Neutralität.

Die  Russen  haben  die  Posensche  Grenze  gesäubert,  Warschau  ist  gänzlich  wehrlos.  Es  hat  keine  Verteidigung
  mehr.  Die  Unruhe  der  Bevölkerung  wächst  in  Rußland  von  Tag  zu  Tag.

Prinz  Max  von  Sachsen,  der  in  Köln  als  Professor  am  katholischen  Priesterseminar  tätig  ist,  stellte
sich  dem  Militärkommando  als  Feldgeistlicher  zur  Verfügung.

An  der  russischen  Grenze  sind  hunderte  von  Kosaken  zu  uns  übergelaufen  und  baten  um  Gefangennahme.
  Viele  verkauften  an  uns  ihre  Pferde  mit  20  Mk.  per  Stück.

Der  Kaiser  hat  dem  General  der  Infanterie  von  Emmich,  der  den  Sturm  auf  Lüttich  persönlich  leitete,
den  Orden  pour  le  merite  verliehen.  Dadurch  hat  der  Kaiser  die  siegreichen  Truppen  in  ihrem  Führer  geehrt.
Denn  in  nicht  ganz  fünf  Tagen  nach  Eröffnung  der  Feindseligkeiten  mit  Frankreich  ist  eine  feindliche  schwere
Festung  im  Besitze  unserer  Truppen.  Es  ist  aber  viel  Blut  dabei  geflossen.  Das  Luftschiff  Zeppelin  soll  dadurch
ganz  besondere  Dienste  im  Bombenwerfen  geleistet  haben.  Die  hannoverschen  Husaren  haben  durch  diesen
Handstreich  sich  besonders  verdient  gemacht.  Die  begeisterte  Aufnahme  der  Siegesnachricht  ist  ohne  Grenzen.

Die  Schweiz  erklärt  ausdrücklich,  daß  die  Schweizerische  Eidgenossenschaft  während  des  bevorstehenden
Krieges  mit  allen  zu  Gebote  siehenden  Mitteln  ihre  Neutralität  wahren  wird.

9.  August.

Schändlichkeiten,  die  zum  Himmel  um  Fache  schreien,  wurden  an  deutschen  Frauen,  Männern  und
Kindern  in  Antwerpen  und  anderen  belgischen  Orten  begangen.

60  gefangene  Franzosen  wurden  gestern  in  Frankfurt  eingeliefert,  die  in  preußischen  Festungen  interniert
  werden.

Im  Unterhause  in  London  erbat  sich  der  Premierminister  Asquith  Vermehrung  der  Armee  um  eine  halbe
Million  Leute.

Auch  in  Paris  fanden  Barbareien  an  ansässigen  Deutschen  statt.  Der  Andrang  der  Freiwilligen  für  den
Krieg  ist  bei  uns  derart,  daß  wir  vorerst  vor  dem  1.  September  keine  mehr  einstellen  können.  (1,300000.      )

In  Hohenlind  und  Sorau  sind  drei  russische  Automobile  mit  großen  Summen  Goldes  abgefangen
worden.

Der  kommandierende  General  des  9.  Armeekorps  setzt  die  Höchstpreise  der  Lebensmittel  für  Hamburg  fest:
  

1  Pfd.  Weizenmehl .....  —,30 Mk.
100  Klo.  Weizenmehl  ......    45,—  〃
1  Pfd.  Roggenmehl .....  —,27  〃
1oo  Klo.  Roggenmehl .....  35,—  〃

1  Pfd.  weiße  Bohnen .....  —,40 〃

1  〃  weiße  Erbsen .....  —,30  〃
1  〃  Reis .....  —,30  〃
1  〃  Salz  .....  —,15 〃