Die  italienischen  Zeitungen,  welche  ihre  Berichte  meistens  von  französischen  und  englischen  Instituten
erhalten,  und  infolgedessen  im  Sinne  unserer  Gegner  auch  gegen  uns  arbeiteten,  haben  nun  eingesehen,  jedenfalls
beeinflußt  vom  italienischen  Botschafter  in  Berlin,  Bollati,  der  eigens  zu  diesem  Zweck  nach  Rom  abgereist
ist,  und  über  die  wahren  Tatsachen  berichtete,  daß  alles  Schwindel  war  und  bemühen  sich  jetzt  so  nach  und  nach
eine  deutschfreundliche  Haltung  anzunehmen.  So  auch  die  nordischen  Dänemark,  Norwegen  und  Schweden
und  Holland.  Auch  sie  brachten  bis  jetzt  die  erlogensten  Märchen,  daß  der  deutsche  Kaiser  gefangen  genommen
worden  sei  —  auch  Häseler  mit  10000  Mann.

21.  August.

Gestern  kursierten  hier  Gerüchte,  daß  Belfort  gefallen  sei  und  90000    Mann  mit  Geschützen  und  Munition
in  unsere  Hände  gekommen  seien.  —  Infolgedessen  flutete  es  den  ganzen  Tag  mit  Tausenden  von  Menschen
zum  Rathausmarkt  noch  bis  spät  über  Mitternacht  hinaus.  Es  bestätigte  sich  aber  nicht.

Dagegen  überraschte  uns  heute  früh  die  erfreuliche  kurze  Nachricht:  Die  Deutschen  besetzten  heute
Brüssel.  Auf  weitere  Einzelheiten  hierüber  sind  wir  sehr  gespannt.

Allem  Anscheine  nach  belagert  ein  großer  Tell  die  belgischen  Festungen  Huy  und  Namur  und  ein  weiterer
Teil  unserer  Truppen  zieht  sich  gegen  Antwerpen  hin,  um  von  bort  aus  einen  englischen  überfall  zu  verhüten.

Was  sagt  Hans?

Möchten  unsere  Truppen,  eingedenk  des  vielen  in  Brüssel  und  Antwerpen  vergossenen  unschuldigen  Blutes,
der  an  Frauen  und  Kindern  verübten  Grausamkeiten  und  Metzeleien  vom  Volk,  das  sogar  Ärzte  und  das  Rote
Kreuz  aus  den  Hinterhalten  beschossen  und  den  verwundeten  deutschen  Soldaten  die  Augen  ausstachen  —
nun  mit  äußerster  Strenge  und  Rücksichtslosigkeit  vorgehen  und  die  Verbrecherbrut  von  Belgiern,  Franzosen
und  Engländern  daselbst  ausrotten  und  blutige  Rache  verlangen  und  üben.  Kein  Haus  dürfte  mehr  auf  seinem
Platze  stehen  bleiben.  Den  Belgierkönig  werden  sie  wohl  nicht  gefangen  nehmen  können,  denn  er  wird  sich  von
Antwerpen  aus  zu  seinen  Freunden  und  Gleichgesinnten  nach  England  auf  der  Flucht  begeben.  Schade!

Gerade  er,  ein  geborener  Coburger  und  seine  Gemahlin  eine  geborene  Baierin,  hätte  müssen  uns  den
friedlichen  Durchgang  durch  Belgien  gestatten,  umsomehr,  als  man  ihm  das  Angebot  zweimal  gemacht  hatte,
daß  wir  allen,  was  ihm  und  seinem  Lande  eventuell  an  Schaden  erwachse,  auf  Pfennig  ersetzen  wollen.  Wir
wollten  nur  den  Durchmarsch  durch  Belgien,  weil  Frankreich  uns  sonst  von  hier  aus  zuvorgekommen  wäre  und  uns
angegriffen  hätte.  Frankreich  hatte  ja,  wie  die  Berichte  aus  Belgien  und  dem  Elsaß  lauten,  schon  vorher  gerüstet
gehabt.  Ehe  wir  unsere  Truppen  im  Elsaß  versammelt  hatten,  überfielen  sie  uns  und  hat  es  uns  große  Opfer
an  Mannschaften  und  Munition  gekostet.  Das  wußte  Albert,  der  Belgierkönig  ganz  genau,  denn  er  steckte
mit  den  abgefeimten  Spitzbuben  von  Engländern  und  Franzosen  unter  einer  Decke.  Deutschland  sollte  gänzlich
zusammengehauen  werden,  kein  Fetzen  sollte  nach  deren  Willen  und  schlauer  Berechnung  am  deutschen  Michel
bleiben.  Sie  haben  sich  aber  getäuscht,  denn  der  Michel  hat  seine  Schlafmütze  heruntergerissen  und  sie  mit  der
Pickelhaube  vertauscht  und  wie  eine  Mauer  erhoben  sich  die  Deutschen  in  allen  Gauen  und  mit  Ruhe  und  Gelassenheit
  sammelten  sie  sich  und  griffen  zu  den  Waffen.  1800000      Mann  stellten  sich  als  Freiwillige,  Greise
und  Jünglinge  baten  um  Aufnahme  in  den  Kriegsdienst.  Keiner  wollte  zurückbleiben.  Siegen  oder  Sterben
war  die  Parole  Aller.

Keinen  kleinen  Schrecken  bekamen  unsere  Gegner,  als  sie  erfuhren,  mit  welchem  heroischen  Geist  alles  entflammt
  war.  Gott  mit  uns,  wer  mag  wider  uns  sein?!?!

Wir  fürchten  nur  Gott,  sonst  nichts  auf  der  Welt,  diese  Worte  unseres  Bismarcks  werden  jetzt  wieder  so
recht  lebendig.

Wenn  man  die  Militärtransporte  nach  Süden  und  Norden  betrachtet,  bann  muß  man  staunen  und  sich
wundern,  wie  frisch  und  munter  die  Einberufenen  zum  Schlachtfelde  fahren.  Ja  man  könnte  sagen,  er  ist  der
reinste  Rausch,  der  sich  der  Menschbeit  bemächtigt,  entfacht  vom  Geiste  der  Vaterlandsliebe  und  der  langjährigen
Rache  an  unserem  Erbfeinde,  dem  Franzosen  und  seinen  verbündeten  Meuchelmörbern,  den  Engländern,  Russen

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