und  dem  er  allezeit  die  höchste  Ehre  dargebracht  hat,  auch  mit  ihm  und  seinem  Volke  war,  das  hat  sich  gezeigt
vom  ersten  Mobilmachungstage  an.  Mit  welcher  Klarheit  und  geistigen  Frische  und  Ruhe  hat  er  alles  hingenommen,
  mit  welcher  Gelassenheit  ertrug  er  den  einen  Betrug  und  dann  den  andern  und  nicht  genug,  es  kam
Schlag  über  Schlag  über  ihn,  aber  der  Geist  Gottes  war  mit  ihm  und  ließ  ihn  alles  mit  fester  Hand  und  klarem
Auge  erfassen.  Zuvorgekommen  ist  er  den  Franzosen  mit  ihren  Helfershelfern,  obgleich  diese  längst  gerüstet
dastanden.

Und,  was  haben  wir  bis  heute  innerhalb  drei  Wochen  Kriegszeit  ausgerichtet?  Die  beiden  großen  Siege
bei  Mülhausen  und  in  den  Vogesen,  die  Festung  Lüttich  und  Huy  und  die  Hauptstadt  Brüssel  ist  in  unserem
Besitz.  An  der  russischen  Grenze  haben  wir  zusammen  auch  schon  über  10000    Gefangene  gemacht  und  Geschütze
und  Pferde  erobert.!  Zeugt  das  nicht  offensichtlich  deutlich  und  klar,  daß  Gott  mit  unseren  Truppen  ist.  Es
liegt  aber  auch  Disziplin  und  Schneid  in  unseren  verbündeten  Mächten  und  ibren  Heeren.  Religion  und  Gottesfurcht
  sind  die  Grundlagen  derselben  und  das  sind  die  allerbesten  im  ganzen  Leben  im  Frieden  und  im  Kriege,
im  Leben  und  im  Sterben.

Fast  alle  angesiedelten  Deutschen  in  Serbien  sind  nun  ausgewiesen  worden.  Dort  wird  es  nun  heiliger
Ernst.  Die  Österreicher  drängen  immer  mehr  in  das  Innere  ein.  Ebenso  schreiten  sie  mit  großer  Bravour  in  russisches
  Gebiet  ein.

Auch  in  Marseille  kam  es  bei  den  Ausweisungen  der  Deutschen  zu  allerhand  Greuel  und  Grausamkeiten.
Es  reiht  sich  würdig  denen  in  Brüssel  und  Antwerpen  an.  Es  ist  aber  noch  nicht  aller  Tage  Abend  und  die  Abrechnung
  auch  dieser  Stadt  dürfte  nicht  allzulange  mehr  auf  sich  warten  lassen.

Das  Eiserne  Kreuz  aus  der  Hand  des  Kaisers  erhielt  der  Hauptmann  von  Harbou,  der  am  Sturm  von
Lüttich  teilgenommen  und  dem  Kaiser  den  Hergang  geschildert  hatte.

23.  August.
Hans  plaudert:

Ich  ging  gestern  mit  meiner  Familie  an  die  Ausgangsstelle  vom  Hamburger  Hauptbahnhof  und  sandte
von  da  aus  den  jede  Viertelstunde  herausfahrenden  Militärzügen  unsere  Grüße  nach  Belgien  und  Frankreich
nach.  Ein  Bahnbeamter  erklärte  mir,  daß  heute,  den  23.  August  (Sonntag)  70000    Mann  durch  den  Hamburger
  Bahnhof,  alles  von  Schleswig-Holstein  der  dänischen  Grenze  kommend,  durchfahren.

Das  war  ein  Hoch-  und  Hurrarufen  von  morgens  bis  spät  in  die  tiefe  Nacht  hinein.  So  etwas  haben  wir
noch  nie  gesehen.  Und  unsere  guten  Soldaten,  welch  herrlichen  frischen  Humor  hatten  sie!  Sie  wurden  alle
auf  dem  Hauptbahnhof  mit  Erfrischungen  jeder  Art  beglückt.  Wie  glücklich  waren  sie  über  die  Liebesgaben.
Sie  ließen  fast  durchweg  das  Hamburger  Rote  Kreuz  hochleben.  An  den  Eisenbahnwagen  hatten  sie  Verse  mit
allerhaond  Karikaturen  angebracht.  Die  Züge  fuhren  nur  zu  rasch  heraus,  sonst  hätte  ich  sie  alle  gesammelt.
Auch  war  es  von  der  Brücke  herab  nicht  möglich,  sie  zu  lesen.  Der  Zutritt  zum  Bahnhof  war  überhaupt  nur
den  Leuten  vom  Roten  Kreuz  und  der  Kriegshilfe  gestattet.

24.  August.

Heute,  den  24.  haben  unsere  Schulen  geschlossen.  Mein  Töchterlein  Maria  kam  wieder  und  erklärte,  die
Lehrerin  habe  ihnen  davon  erzählt,  wie  unsere  braven  Krieger  den  bösen  Franzosen  die  Waffen  weggenommen
hätten,  daß  diese  nicht  mehr  auf  uns  schießen  können.  Deshalb  sollen  die  Kinder  frei  haben.

Nachstehender  Aufruf  wurde  am  23.  August  1914  an  300  Zeitungen  versandt.

Aufruf.

Der  Neue  Hanseatische  Schifferverband  von  1913  hat  gleich  zu  Beginn  des  Krieges  durch  die  Hamburger
  Zeitungen  und  durch  Versand  von  ca.  300  Zirkularen  an  auswärtige  Zeitungen  einen  Aufruf
für  zurückgebliebene  Angehörige  der  zur  Fahne  Einberufenen  aus  der  Binnenschiffahrt  erlassen.  Er
hat  dabei  die  Not  der  Familien  geschildert,  in  der  wohlweislichen  Voraussetzung,  daß,  wie  die  Erfahrung
gelehrt  hat,  nicht  alle  Bittsteller  von  der  Kriegshilfe  berücksichtigt  werden  können.  Es  wird  viel  gespendet—
und  doch  für  Hamburg  noch  viel  zu  wenig  im  Vergleich  zu  anderen  Städten  (z.  B.  Frankfurt  a.  M.)

35