Namur  und  Longwy  erobert,  Oberelsaß  von  Franzosen  geräumt.

Hamburg,  den  27.  August  14.  Im  Hamburger  Fremdenblatt  lesen  wir  in  No.  204  A.  Morgenausgobe
vom  27.  August  1914.

Die  Firma  Hermann  Tietz  sich  bereit  erklärt,  von  Mittwoch,  den  26.  August  an  in  ihrem  Erfrischungsraum
  eine  Mittagsmahlzeit  zum  Preise  von  50  Pfg.  zu  verabreichen.  Ich  möchte  hiermit  ergebenst  anfragen,
  soll  dies  ein  Beitrag  für  die  Hamburgische  Kriegshilfe  sein,  oder  ein  schlechter  Witz.  Wir  haben
kleine  Gastwirtschaften  genug,  wo  die  Arbeiter  zum  Preise  von  50  Pfg.  kräftige  Mittagskost  erhalten,  und  haben
sie  es  nicht  nötig,  erst  nach  Hermann  Tietz  zu  gehen.

26.  August.

Wie  der  kaiserliche  Geschäftsträger  in  Tanger  mitteilt,  flüchteten  die  Deutschen  zum  größten  Teile  nach
Cadiz.  Bei  Krasnik  erbeuteten  die  Österreicher  3000  Gefangene,  3  Fahnen,  20  Geschütze  und  7 Maschinengewehre. 

Über  die  barbarische  Kriegsweise  der  Russen  läßt  sich  ein  dickes  Buch  schreiben.  Brennen  und  Morden
ist  des  Russen  Haupttugend  im  Kriege.  Wehe  denen,  die  den  Russen  in  die  Hände  fallen!

Das  Rote  Kreuz  verzeichnet  heute  1344917,17      Mark  und  die  Hamburgische  Kriegshilfe  1333293,17    
Mark.  Das  ist  sehr  wenig,  zumal,  wenn  man  bedenkt,  wieviel    andere  Städte  gegeben  haben.

27.  August.

Der  kleine  Kreuzer  Magdeburg  ist  bei  einem  Vorstoß  im  Finnischen  Meerbusen  in  der  Nähe  der  Insel
Odensholm  im  Nebel  auf  Grund  geraten.  Eine  Hilfeleistung  durch  andere  Schiffe  war  bei  dem  dicken  Nebel
unmöglich.  Da  es  nicht  gelang,  das  Schiff  abzubringen,  so  wurde  es  beim  Angriff  weit  überlegener  russischer
Streitkräfte  in  die  Luft  gesprengt.  So  hat  es  einen  ehrenvollen  Untergang  gefunden.  Unter  feindlichem  Feuer
wurde  vom  Torpedoboot  V.  26  der  größte  Teil  der  Besatzung  des  Kreuzers  gerettet.  Die  Verluste  der  Magdeburg
  und  des  V.  26  stehen  noch  nicht  ganz  fest.  Bisher  wurden  gemeldet  17  Mann  tot,  21  Mann  verwundet,
87  vermißt,  darunter  der  Kommandant  der  Magdeburg.

Prinz  Luitpold  von  Bayern,  der  älteste  Sohn  des  Kronprinzen  Rupprecht  und  künftige  Thronfolger
ist  in  Berchtesgaden  an  Diphtheritis  gestorben.  Der  zweite  Sohn  des  Kronprinzen,  Prinz  Albrecht,  ist  am  3.  Mai
1905  geboren.

Die  Mutter,  Marie  Gabriele,  welche  eine  Schwester  der  unglücklichen  Kömgin  von  Belgien  ist,  ist  erst  kürzlich
gestorben.  Die  beiden  Frauen  waren  Töchter  des  berühmten  Prinzen  Theodor  von  Bayern.  Prinz  Rupprecht
ist  der  große  Sieger  bei  Metz  und  in  den  Vogesen  und  empfinden  nicht  nur  die  Bayern  den  großen  Schmerz
ihres  Könighauses,  nein  ganz  Deutschland  fühlt  den  großen  Schmerz  desselben  mit.

Die  ostpreußischen  Flüchtlinge,  welche  ihr  Hab  und  Gut  verlassen  und  vor  den  Russen  fliehen  mußten,
sind  größtenteils  in  Berlin  eingetroffen.  Kaiser  Wilhelm  hat  einen  Aufruf  erlassen,  worin  er  bittet,  dieselben
freundlich  aufzunehmen.  Der  Staatssekretär  ist  aufgefordert,  denselben  genügende  Mittel  zur  Verfügung
zu  stellen.

In  Frankreich  wird  es  den  Herren  Ministern  schon  sehr  bange.  Um  nicht  bei  eventueller  Revolution
um  einen  Kopf  kürzer  gemacht  zu  werden,  legten  sie  durchweg  ihr  Amt  nieder  und  hat  der  Präsident  die  Neubildung
  des  Ministeriums  vorgenommen.

Erfolge  des  österreichischen  S-L-Luftschiffes.  Schütte-Lanz  kam  dreimal  in  das  feindliche  Feuer,  ohne
Schaden  genommen  zu  hoben.  Bei  Iwangorod  wurde  es  beschossen,  bei  Lublin  durchbohrten  25  Geschosse  die
hinteren  Gaszellen.  Ein  Sprengstück  flog  in  die  Gondel  ohne  Schaden  anzurichten.  Die  Reparaturen  wurden
während  der  Fahrt  gemacht.  Die  Besatzung  kam  unversehrt  in  das  Hauptquartier  zurück.

Die  belgischen  und  französischen,  sowie  russischen  Roheiten  finden  kein  Ende.  Sie  alle  einzeln  aufzuführen,
wäre  hier  nicht  empfehlenswert.  Dieselben  werden  nach  dem  Kriege  gesammelt  und  herausgegeben.

Die  Amerikaner  haben  anläßlich  ihrer  Abfahrt  aus  Hamburg  in  zahlreichen  Zuschriften  an  die  Zeitungen
ihren  Dank  für  die  liberale  Behandlung  und  vornehme  Haltung  ihnen  gegenüber  ausgesprochen.

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