28.  August.

Das  deutsche  Heer  ist  siegreich  in  das  Gebiet  von  Cambrai  bis  zu  den  Südvogesen  vorgedrungen  und  hat
den  Feind  überall  geschlagen.  Generaloberst  von  Kluck  hat  die  englische  Armee  bei  Maubeuge  angegriffen.
Generaloberst  von  Bülow  und  Freiherr  von  Hausen  haben  8  Armeekorps  französischer  und  belgischer  Truppen
zwischen  Sambre,  Namur  und  Maas  vollständig  geschlagen  und  den  Rest  verfolgt.  Herzog  Albrecht  von  Württemberg
  hat  den  geschlagenen  Feind  über  den  Gemois  verfolgt  und  die  Maas  öberschritten.  Die  Armee  des
deutschen  Kronprinzen  hat  eine  befestigte  Stellung  des  Feindes  vorwärts  Longwy  genommen  und  einen
Angriff  aus  Verdun  abgewiesen.  Sie  befindet  sich  im  Vorgehen  gegen  die  Maas.  Longyy  ist  gefallen.  Die
Armee  des  bayrischen  Kronprinzen  ist  bei  der  Verfolgung  in  Lothringen  von  neuen  feindlichen  Kräften  von
Nancy  aus  angegriffen  worden.  Der  Angriff  wurde  aber  zurückgewiesen.  Die  Armee  des  Generalobersten
von  Heeringen  verfolgt  den  Feind  in  den  Vogesen  nach  dem  Süden.  Elsaß  ist  vom  Feinde  geräumt.

Von  Antwerpen  aus  haben  vier  belgische  Divisionen  gestern  und  vorgestern  einen  Angriff  gegen  unsere
Verbindungen  in  der  Richtung  Brüssel  gemacht.  Die  zur  Abschließung  von  Antwerpen  zurückgelassenen  Kräfte
haben  die  belgischen  Truppen  geschlagen,  wobei  viele  Gefangene  gemacht  und  Geschütze  erbeutet  wurden.  Das
Volk  hat  sich  bis  jetzt  überall  in  Belgien  an  den  Kämpfen  beteiligt  und  wurden  daher  die  strengsten  Maßnahmen
zur  Unterdrückung  des  Franktireur-  und  Bandenwesens  angewendet.  Die  Sicherung  der  Etappenlinien  mußte
bisher  den  Armeen  überlassen  werden.  Da  diese  aber  für  den  weiteren  Vormarsch  die  zu  diesem  Zweck  zurückgelassenen
  Truppen  notwendig  in  der  Front  gebrauchen,  so  hat  Se.  Majestät  die  Mobilmachung  des  Landsturmes
  befohlen.  Der  Landsturm  wird  zur  Sicherung  der  Etappenlinien  und  zur  Besetzung  von  Belglen  mit
herangezogen  werden.  Dieses  unter  deutsche  Verwaltung  tretende  Land  soll  für  Heeresbedürfnisse  aller  Art
ausgenutzt  werden,  um  das  Heimatgebiet  zu  entlasten.

Bei  der  Einnahme  von  Longwy  fielen  3200  unverwundete  und  400  Verwundete  als  Gefangene  in  unsere
Hände.  Von  den  eroberten  Geschützen  war  nur  noch  ein  einziges  schußfähig.  Alle  übrigen  36  Kampfgeschütze
sind  von  unserer  Artillerie  in  Trümmer  geschossen  worten.  Der  Kronprinz  gab  dem  mitgefangenen  Kommandanten,
  weil  er  sich  wacker  geschlagen  hatte,  den  Degen  wieder  zurück.

Die  schwere  Artillerie  beschießt  Montmedy.

In  der  Nacht  zum  21.  August  fuhr  ein  Zeppelin-Luftschiff  über  Antwerpen  und  hat  die  Stadt  beschossen.
Dabei  explodierte  die  Gasanstalt.  Der  Ballon  wurde  beschossen,  aber  nicht  beschädigt.  Er  kehrte  nach  getaner
  Arbeit  unversehrt  zurück.  Die  Zeppeline  erregen  in  England  große  Bestürzung.  Auch  die  Holländer  haben
mächtigen  Respekt  davor.

An  der  rumänisch-russischen  Grenze  droht  ein  Aufmarsch  russischer  Truppen.  Derselbe  verrät  die
Absicht,  unter  Bruch  der  rumänischen  Neutralität  in  die  Bukowina  einzufallen.

China  will  seine  Rechte  auf  Kiautschau  selbst  wahren  und  hat  dies  den  Japanern  kundgetan.

Die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  erklärten  Japan,  daß  die  Interessen  Amerikas  und  der  anderen
neutralen  Mächte  genau  gewahrt  bleiben  sollen.

Kaiser  Franz  Josef  sandte  an  Kaiser  Wilbelm  nachstehendes  Telegramm:

Die  herrlichen,  den  mächtigen  Feind  niederwerfenden  Siege,  die  das  deutsche  Heer  unter  Deiner
obersten  Führung  erkämpft  hat,  haben  ihre  Grundlagen  und  ihren  Erfolg  Deinem  eisernen  Willen  zu
danken,  der  das  wuchtige  Schwert  schärfte  und  schwang.  Dem  Lorbeer,  der  Dich  als  Sieger  schmückt,
möchte  sich  das  höchste  militärische  Ehrenzeichen  anreihen  dürfen,  indem  ich  Dich  bitte,  bas  Großkreuz
meines  militärischen  Maria-Theresien-Ordens  als  Zeichen  meiner  hohen  Wertschätzung  in  treuer  Waffenbrüderschaft
  annehmen  zu  wollen.  Die  Insignien  soll  Dir,  treuer  Freund,  ein  besonderer  Abgesandter
überbringen,  sobald  es  Dir  genehm  ist.  Wohlwissend,  wie  sehr  Du  und  Dein  Heer  die  genialen  Leistungen
des  Generale  der  Infanterie  von  Moltke  zu  schätzen  wissen,  verleihe  ich  ihm  das  Kommandeurkreuz
bes  militärischen  Maria-Theresien-Orben.

Der  Kaiser  und  der  König  von  Bayern  besuchten  im  großen  Hauptquartier  die  Verwundeten  und  waren
bei  der  Durchfahrt  von  Verwundetenzügen  zugegen.  Es  war  ein  ergreifender  Moment,  als  die  Verwundeten

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