in  Gegenwart  der  Herrscher  das  Lied  die  Wacht  am  Rhein  sangen.  Zum  Tode  des  Prinzen  Friedrich  von
Meiningen,  der  den  Heldentod  starb,  sandte  Kaiser  Franz  Josef  an  den  Großherzog  Wilhelm  Ernst  von  Sachsen-Weimar
  nachstehendes  Telegramm:

Die  Nachricht  von  dem  Hinscheiden  des  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallenen  Prinzen  Friedrich  hat
mich  tief  ergriffen.  Ich  bitte  Euere  königliche  Hoheit,  sowie  die  verehrte  Großherzogin  meiner  ernsten
Anteilnahme  an  diesem  schmerzlichen  Verlust  versichert  zu  sein.

Franz  Josef.
Der  Gefallene  ist  der  Schwiegersohn  des  Großherzogs  von  Sachsen-Weimar.
Angesichts  der  guten  Haltung  der  sozialdemokratischen  Partei  wird  dem  Lesen  und  Verbreiten  dieser  Presse
kein  Hindernis  in  den  Weg  gelegt  (in  diesem  Kriege).



    
v. Bethmann-Hollweg

Hans  plaudert:

Gestern  abend  ging  ich  und  meine  Frau  noch  ein  wenig  zu  unserer  Erholung  spazieren.  Als  wir  auf  dem
Heimwege  waren,  bemerkten  wir,  wie  am  Deichtormarkt  in  Hamburg  sich  ein  kolossaler  Menschenauflauf  ansammelte
  und  es  sehr  laut  herging.  Einige  Marktlöwen  wollten  einen  Ersatzreservisten,  der  in  Infanterieuniform
  war,  überfallen.  Derselbe  hatte  nämlich  dem  von  einem  großen  Haufen  krakehlender  Leute,  welche
alle  mitfahren  wollten,  angegriffenen  Fahrer,  Hilfe  geleistet  und  als  sie  tätlich  wurden,  blank  gezogen.  Dadurch
bemächtigte  sich  des  Publikume  eine  kolossale  Mut  gegen  den  Soldaten,  der  übrigens  nur  seine  vorschriftemäßige
Pflicht  getan  hatte,  dabei  waren  es  ein  paar  bekannte  Marktlöwen,  die  am  meisten  schrieen  und  lamentierten.
Endlich  kamen  zwei  Schutzleute  und  ein  Kriminal  und  schafften  so  nach  und  nach  Ruhe.  Die  Kerls  wußten
wohl,  daß  gerade  gestern  abend  unsere  Stadt  beinabe  aller  feldtüchtigen  Schutzleute  beraubt  war  und  die  Polizeihilfstruppe
  erst  heute  in  Tätigkeit  treten  soll.  Nur  einige  wenige  Zivilisten,  auch  meine  Wenigkeit  traten  auf
Seite  des  Soldaten.  Ich  sagte  zu  den  vielen  Halbstarken,  die  herumstanden,  man  sollte  sich  schämen,  in  dieser
ernsten  Zeit  einen  derartigen  Radau  zu  verführen  und  einen  Soldaten,  der  vielleicht  schon  morgen  sein  Leben
für  unsere  Sicherheit  in  die  Schanze  schlägt,  anzugreifen.  Der  Mann  hat  vollständig  recht  gehandelt,  er  hat
dem  Schaffner,  der  sich  nicht  mehr  zu  helfen  wußte,  und  mit  Sand  nach  den  Leuten  geworfen  hatte,  in  seiner
Not  geholfen.  —

—  Gestern  nachmittag  gegen  3  Uhr  war  unsere  ganze  Stadt  erfüllt  mit  allgemeinem  Glockengeläute.  Alle
Kirchenglocken  von  Hamburg  läuteten,  es  war  feierlich  rührend,  denn  man  wußte,  daß  nun  wieder  eine  große
Entscheidungsschlacht  geschlagen  war.  Auch  ich  ging  mit  meinen    zwei  Kindern  auf  den  Rathausmarkt,  wohin  sich

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