Auf  dem  ganzen  Raum  zwischen  Weichsel  und  Dnjeper  haben  sich  seit  dem  24.  August  Kämpfe  zwischen
österreichischen  und  russischen  Truppen  abgewickelt,  wobei  die  Österreicher  in  der  Offensive  siegreich  vordringen.
Gleichzeitig  mit  dem  Vorstoß  gegen  Ostpreußen  nahm  das  russische  Heer  auch  die  Offensive  in  Galizien  bei
Brody  und  Zrbuh  auf.  Eine  weitere  feindliche  Gruppe  steht  zwischen  Weichsel-Bug,  deren  Angriffe  auf  Kras  nik
erfolgreich  abgeschlagen  worden  sind.

Die  russische  Mittelgruppe,  vermutlich  die  stärkste,  konnte  in  Galizien  eindringen,  bis  heraneilende  österreichische
  Truppen  auf  der  Linie  Rawaruska-Zokkiewm  die  russische  Offensive  brach.

Auf  der  ganzen  fast  400  Kilometer  langen  Schlachtlinie  wird  seit  26  Stunden  wütend  gekämpft.

Der  österreichische  linke  Flügel  hat  der  russischen  Mittelgruppe  schwere  Verluste  beigebracht.  Die  österreichischen
  Truppen,  die  bei  Krasnik  gesiegt  haben,  sind  sehr  erfolgreich  im  Kampfe  gegen  die  russischen  rechten
Flügeltruppen.

In  Paris  mag  es  zurzeit  nett  aussehen.  In  den  letzten  Tagen  sind  verschiedene  aufrührerische  Bewegungen
ausgebrochen.  Auf  das  Volk  wurde  scharf  geschossen.  Man  befürchtet  über  den  Zusammenbruch  des  französischen
  Kriegsplanes  die  grollende  Unzufriedenheit  der  Massen.

Der  stellvertretende  Kommandierende  General  des  9.  Armeekorps  zu  Altona  verbietet  das  Feilhalten  und
Lesen  der  im  Verlage  von  Wilhelm  Köhler  in  Minden  in  Westf.  erschienenen  Bücher:  Unterseeboote  an  die
Front  und  Der  Zusammenbruch.  Die  Seeschlacht  bei  Borkum  und  Helgoland.

Börse  und  Sieg  in  Hamburg.  Unauslöschlich  bleiben  jedem  Börsenbesucher  die  Eindrücke,  die  er  von  der
heutigen  Börse  mit  nach  Hause  genommen  hat.  Als  um  zwei  Uhr  die  Nachricht  von  dem  Siege  über  die  Engländer
in  den  Börsensälen  bekannt  wurde,  kam  es  sofort  zu  begeisierten  patriotischen  Kundgebungen.  Das  Telegramm
mußte  immer  wieder  vorgelesen  werden.  Unter  Hüte-  und  Tücherschwenken  durchbrausten  bald  Hurra  und
Hochrufe  auf  Kaiser  Wilhelm,  den  Kronprinzen,  unser  Heer  und  den  greisen  Kaiser  Franz  Josef  die  weiten  Börsensäle.
  Noch  keine  Meldung  hat  einen  solchen  Sturm  der  Begeisterung  entfesselt,  wie  die  heutige  Meldung,  daß
die  englische  Armee  geschlagen  worden  ist.  Weiß  man  doch,  daß  das  ganze  Unheil  nur  von  England  aus  Neid
und  Mißgunst  angerichtet  worden  ist.  (H.  Fremdenbl.)

Manonviller,  das  stärkste  Sperrfort  der  Franzosen,  befindet  sich  in  deutschem  Besitz.

Der  russische  Panzerkreuzer  Panteleimon  bombardiert  die  Stadt  Odessa,  wo  die  Revolutionären  die
Herrschaft  an  sich  gerissen  haben.  Die  blutigen  Straßenkämpfe,  die  die  ganze  Woche  hindurch  andauerten,  endeten
mit  dem  Siege  der  Revolunionäre.  Die  Offiziere  wurden  niedergemetzelt.  Gendarmeriechef  und  Polizeikommissare
wurden  dabei  getötet.

Das  Schicksal  der  Frauen  und  Kinder  der  Kolonie  Tsingtau  dürfte  gesichert  sein.  Sie  dürften  bereits
in  Schanghai  eingetroffen  sein  und  sind  mit  Geldmittel  und  sonst  mit  allem  versehen  worden.

Die  ostpreußische  Grenzstadt  Neidenburg  wurde  von  den  Russen  besetzt,  geplündert  und  bombardiert.
Die  etwa  6000  Einwohner  flohen  über  Hohenstein  nach  Allenstein.

Unser  tapferes  20.  Armeekorps  steht  seit  4  Stunden  im  Feuer  mit  einem  an  Kräften  weit  überlegenen
Gegner.  Trotzdem  ist  es  den  Russen  mit  ihrer  gewaltigen  Übermacht  nicht  gelungen,  unsere  Stellungen  zu  nehmen.
Der  Kampf  hat  sich  zu  einer  riesigen  Schlacht  auf  der  Linie  Gilgenburg-Neidenburg-Ortelsburg    mit
etwa  50  Kilometer  Frontlinie  entwickelt.  Dabei  sind  bie  jetzt  schon  zwei  russische  Armeekorps  aufgerieben.

Löwen  mit  der  Vorstadt  Herent  ist  an  verschiedenen  Stellen  ein  Raub  der  Flammen  geworden.  Gleichzeitig
  mit  dem  Ausfall  in  Antwerpen  brach  eine  wohlorganisierte  Revolte  der  Berölkerung  aus.  In  Löwen,
einer  Stadt  von  46000    Einwohnern  blieb  zum  Bahnschutz  das  Landsturmbataillon  Reuß  zurück.  Die  Kolonnen,
  Trains  und  der  kommandierende  General  hatten  die  Stadt  bereits  verlassen.

In  dem  Augenblick,  als  die  zweite  Staffel  des  Generalkommandos  der  ersten  folgen  wollte,  wurde  aus
der  ganzen  Stadt  aus  Fenstern  und  Bodenluken  und  Kaffeehäusern  auf  die  Soldaten  und  auf  dem  Bahnhofe
auf  die  ankommenden  Züge  geschossen.  Vom  Generalkommando  wurden  fünf  Offiziere  schwer  verwundet.
Beinahe  alle  Pferde  wurden  von  den  Banden  getötet.  Der  Straßenkampf  nahm  ungeahnte  Formen  an,  unsere
Leute  wurden  hinterrücks  beschossen.  Zwei  fanatische  Priester,  die  an  die  Bevölkerung  Munition  verteilten,

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