Die  Regierung  von  Paris  scheint  sich  nicht  mehr  sicher  zu  fühlen.  Man  erörtert  schon  die  Verlegung  
der  Regierung  nach  Bordeaux.

In  der  Hamburger  Bürgerschaftssitzung  vom  Sonnabend,  den  29.  August,  wurde  auf  dringlichen  Antrag
des  Senats  die  Summe  von  200000    Mark  für  Ostpreußen  genehmigt.

Die  Türkei  hat  die  Mobilmachung  gegen  Rußland  angeordnet.

Der  Aufruf  für  das  Regiment  Hamburg  hat  bis  jetzt  den  Betrag  von  Mark  23956,75    erreicht.

Fürst  Wilhelm  von  Albanien  verläßt  Durazzo.  Er  hat  wohl  eingesehen,  daß  der  Thron  für  ihn  unhaltbar
  ist.

Der  Aufruf  für  das  Rote  Kreuz  zu  Hamburg  brachte  bis  heute  die  Summe  von  Mark  1462977,87.    

Die  Hamburgische  Kriegshilfe  brachte  die  Summe  von  Mark  1333293,17.    

Betrachtet  man  andere  Städte,  dann  muß  man  sich  unwillkürlich  fragen,  wo  bleibt  Hamburgs  Hilfsfreudigkeit!?!


Die  Sammlung  für  die  Binnenschiffer  ergab  bis  jetzt  trotz  wiederholter  Anstrengung  und  Versand
von  Zirkularen  nur  Mark  233.

29.  August.

Das  Baseler  Gericht  verurteilte  den  in  Basel  wohnhaften  Gustav  Reiser  aus  Sinnheim  bei  Mülhausen
  wegen  Vergehens  gegen  das  Sprengstoffgesetz.  Man  fand  bei  ihm  im  Hause  viele  große  Bomben  und
von  Belfort  aus  an  ihn  gesandte  Postanweisungen.  Er  hat  für  Frankreich  Spionagedienste  verrichtet.

Das  Rote  Kreuz  feierte  am  22.  August  1914  seinen  50.  Gedenktag.  Ein  kurzer  Uberblick  über  Zeit  und
Leistung  seit  der  Mobilmachung  gibt  uns  ein  Bild,  wie  es  die  Weltgeschichte  bis  heute  wohl  noch  nie  gekannt  hat.

Vier  Wochen  sind  vorüber.  Belgien  befindet  sich  mit  Ausmahne  Antwerpens  in  deutschem  Besitz  und
deutscher  Verwaltung.  Belgien  ist  gewesen.  Die  französich-englische  Armee  ist  soviel  als  geschlagen.  Der  Weg
nach  Paris  von  der  Grenze  Belgiens  bis  nach  Belfort  ist  offen.  Die  französische  Offensive  ist  durch  die  Niederlagen
  zwischen  Metz  und  den  Vogesen  gebrochen  und  wird  sich  wohl  nie  mehr  zusammenraffen.  Sechs  mächtige
  Heeressäulen  zeigen  uns  den  Weg  nach  Paris.

Die  nördlichste  unter  Generaloberst  von  Kluck  hat  über  Maubeuge,  das  belagert  wird  und  Cambrai,
also  westlich  bereits  von  der  französischen  Festung  Valencienne,  nördlich  St.  Quentin,  die  gesamte  englische
  Landungsarmee,  ca.  150000    Mann,  geschlagen,  befindet  sich  also  140  Kilometer  von  Paris  entfernt.  Die
zweite  unter  Generaloberst  von  Bülow  und  Hausen  hat  acht  französisch-belgische  Armeekorps  aus  dem  Dreieck
zwischen  Sambre  und  Maas  hinausgejagt.

Die  dritte  unter  Herzog  Albrecht  von  Württemberg  hat  nach  den  Siegen  bei  Neufchateau  den  Südgipfel
Belgiens  gesäubert  und  die  Maas  auf  franzssischem  Boden  überschritten.  Sie  ist  also  schon  über  Sedan
hinaus.

Die  vierte  hat  unter  Führung  des  deutschen  Kronprinzen  Luxemburg  durcheilt,  Longwy  genommen
und  den  Feind  wiederholt  auf  Verdun  zurückgeworfen.

Die  lothringische  Armee  des  bayrischen  Kronprinzen  Rupprecht  hat  den  Durchbruch  durch  die  französische
Offensive  erzwungen  und  verfolgt  ihren  Sieg  in  neuen  Schlachten  auf  Nancy  zu.  Das  Sperrfort  Manonviller
  ist  von  ihr  genommen.

Die  Vogesenarmee  unter  Generaloberst  von  Heeringen  hat  den  Feind  aus  dem  Elsaß  hinausgefegt  und
verfolgt  den  Feind  in  der  Richtung  auf  Epinal  zu  und  auch  auf  Belfort.

Das  ist  eine  Glanzleistung  unserer  Armee  im  Westen.

Und  unsere  Ostarmee  hat  nicht  geringer  gearbeitet.  Sie  ließ  den  Feind  absichtlich  in  einzelne  Dörfer  Ostpreußens
  einfallen,  die  Einwohner  flohen  ja  rechtzeitig  —  und  ließ  den  siegesgewissen  Russen  in  seinem  Taumel,
bis  es  uns  opportun  erschien,    nun  zum  Angriff.  Die  ganzen  Mannschaften  wurden  in  die  Sümpfe  und  masurischen
  Seen  getrieben  und  wer  nicht  ersaufen  wollte,  ergab  sich  oder  starb  den  Tod  des  Helden.  So  sind  nun
bei  den  großen  Kämpfen,  in  denen  die  russische  Armee  in  Ostpreußen  bei  Tannenberg,  Hohenstein  und

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