Der  bekannte  Erfinder  der  Röntgenstrahlen,  Professor  Röntgen,  hat  die  ihm  verliehene  Große  goldene
Medaille  der  Royal  Socicty,  die  einen  Goldwert  von  1000  Mark  besitzt,  dem  Roten  Kreuz  zur  Verfügung
gestellt.

Die  Verlustlisten  15.  und  16.  zeigen  keine  großen  schweren  Fälle  mehr.

Hans  schimpft  und  plaudert:

Eines  Vorfalls,  der  hier  vielfach  besprochen  wurde,  möchte  ich  doch  Erwähnung  tun.  Eine  Firma  in  Hamburg
hatte  einen  langjährigen  Hausdiener,  der  mit  1  Mk.  Wochenlohn  angefangen  hatte  und  es  glücklich  zu
der  großen  Höhe  von  23  Mark  ?!  gebracht  hatte.  Bei  Ausbruch  des  Krieges  wurde  dem  Mann  eröffnet,  daß
man  ihn  noch  länger  behalten  wolle,  wenn  er  mit  14  Mark  sage  und  schreibe  Vierzehn  Mark  wöchentlich
zufrieden  sein  wolle.  Kommentar  hierzu  überflüssig,  —  aber  wenn  man  in  den  Gabenwerzeichnissen  nachforscht,
so  wird  man  wahrscheinlich  den  Namen  auch  unter  den  edlen  Spendern  großer  Gaben  finden.  Der  Fall  ist  nicht
vereinzelt,  leider!

Gestern  abend  gingen  wir  wieder  an  die  Altmannsbrücke  und  sahen  uns  das  Treiben  an.  Tausende  von
Menschen  warteten  auf  die  auslaufenden  Züge  von  unseren  Truppen,  die  auf  dem  Hauptbahnhofe  zuvor  gespeist
  und  gelabt  wurden.  Solange  wir  dastanden,  kamen  drei  heraus.

Der  eine  lauter  Mariner.  Sie  waren  wieder  wie  alle  früheren  munter  und  geradezu  kreuzfidel.  Sie  riefen
zu  uns  herauf,  wir  wollen  mal  ein  bißchen  nach  den  Engländern  gucken  und  ihnen  das  Fell  versohlen.  Immer
wieder  brausende  Hochs  und  Hurra's  begleiteten  dieselben,  bis  sie  unseren  Augen  entschwunden  waren.  Es
war  rührend  mit  anzusehen,  welcher  siegesgewisse  Geist  unsere  blauen  Jungen  von  der  Marine  behersschte.
Und  doch  beim  Weggehen  hörte  man  so  manchen  der  Zuschauer,  wie  viele  werden  nimmer  kommen!  Auch  wir
waren  gänzlich  gerührt.  Allem  nach  müssen  gestern  wieder  unzähliche  Militärzüge  durchgekommen  sein,  die
meistens  nach  dem  Süden  fuhren.  Den  ganzen  Tag  waren  die  Brücken  dicht  beseszt.

Die  Sammlung  für  die  Binnenschiffer  hat  die  Hohe  von  263,02  Mark  erreicht.

Man  ersieht  am  besten,  wie  langsam  sich  die  Ziffer  beim  Roten  Kreuz  und  Hanburger  Kriegshilfe  erhöht,
daß  im  Verhältmis  zu  wenig  gegeben  wird.

Erstere  beträgt:  Mark  1462977,87    
Letztere  beträgt:  Mark  1528761,11      

Angesichts  der  großen  Not  dürfte  mehr  gegeben  werden.

Die  Agenzia  Stefani  in  Rom  meldet:  Kardinal  della  Chiesa,  Erzbischof  von  Bologna,  wurde  zum  Papst
gewählt.  Er  hat  den  Namen  Benedikt  XV.  angenommen.  Er  war  der  Intimus  des  Kardinals  Rampolla  und
gilt  als  ein  Mann  von  Genie  und  liberaler  Gesinnung.

Die  franzssische  Flotte  hat  gestern  die  Befestigungswerke  und  die  Reede  von  Cattaro  beschossen.  Die
Beschießung  verursachte  großen  Schaden.  Mehrere  Gebäude  wurden  beschädigt  und  gerieten  in  Brand.

Aus  Paris  wird  gemeldet:  Das  Kriegsministerium  kündigt  an,  daß  die  Regierung  auf  den  Rat  der  Militärbehörde
  Paris  verlasse.  Es  sei  nicht  wahrscheinlich,  daß  die  Deutschen  Paris  angreifen  würden,  aber  Paris
werde  das  Zentrum  der  militärischen  Operationen,  weshalb  sich  die  Maßregeln  empfehlen.  Der  amerikanische
Botschafter  bleibt  in  Paris,  um  den  Schutz  der  Deutschen  und  der  Österreicher  auszuüben.  Der  Sitz  der  Regierung
  wird  wahrscheinlich,  wie  im  Jahre  1879  Bordeaux  sein.

Die  österreichische  Armee  Auffenberg's  erbeutete  nach  den  letzten  Mitteilungen  200  Kanonen.  —  Die  österreichische
  Heeresleitung  leidet  viel  unter  der  Spionage  einheimischer  Russenfreunde,  die  den  Feind  am  Tage
durch  verschiebenfarbige  Rauchsäulen  und  des  Nachts  durch  Lichter  verständigen.  Auch  Spiegelsignale  gelangen
zur  Anwendung.  Eine  Prozession  wurde  abgefaßt,  der  ein  Heiligenbild  vorangetragen  wurde,  das  auf  einen
Spiegel  gemalt  war.  Wenn  es  gelang,  die  Russen  in  ein  feindliches  Terrain  zu  drängen,  wurden  sie  stets  von
Spionen  aus  der  Falle  gerettet.

Auch  Prinz  Adalbert  von  Preußen  hat,  wie  Professor  Röntgen  und  der  bekannte  Rechtslehrer  Kohler
seine  russischen,  englischen  und  japanischen  Orden  dem  Roten  Kreuz  zur  Verfügung  gestellt.

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