10.  September.

Aus  Ostende  wird  gemeldet,  die  Deutschen  gingen  gestern  nordwestlich  von  Brüssel  zwischen  Gent  und
Antwerpen  vor.  Alle  Verbindungen  zwischen  diesen  beiden  Städten  sind  unterbrochen.  Bei  Cordegem
in  der  Nähe  von  Wetteren  fand  gestern  ein  Gefecht  statt.  Der  Kommandant  Commink  ist  gefallen.  Die  Belgier
zogen  sich  zurück.

Aus  Amsterdam  wird  gemeldet:  General  Bowith  forderte  von  der  Stadt  Gent  als  Kriegsschätzung
die  Lieferung  von  10000    Litern  Benzin,  1000  Litern  Mineralwasser,  150000      kgr.  Hafer,  Fahrräder,  Autoreserveteile
  und  100000    Zigarren.  Die  Stadt  wurde  aber  von  weiteren  Kriegsabgaben  und  dem  Durchzug  der
Truppen  verschont.  Bald  nachdem  der  Bürgermeister  von  seiner  Unterredung  mit  dem  deutschen  General  zurückkehrte,
  feuerte  ein  auf  einem  Mobil  befestigtes  Maschinengewehr  in  Gent  auf  zwei  deutsche  Offiziere,  von
benen  einer  getötet  und  der  andere  verwundet  wurde.  Der  Bürgermeister  fuhr  sofort  wieder  zum  deutschen
General,  um  etwaige  üble  Folgen  des  Vorfalles  abzuwenden.

Vom  Österreichischen  Kriegepressequartier  wird  gemeldet,  daß  die  österreichische  Armee  bei  Lemberg
die  Offensive  ergriffen  habe.  Im  Raume  von  Lemberg  begann  gestern  eine  neue  Schlacht.  Der  Feind  hat  ihrem
Ungestüm  bereits  an  verschiedenen  Stellen  des  riesig  ausgedehnten  Operationsfeldes  weichen  müssen.  Wetter
und  Stimmung  der  Truppen  läßt  nichts  zu  wünschen  übrig.

Die  gestern  in  Kielce  und  Krakau  vereidigten  Polenlegionen  sind  die  ersten  Teile  eines  Volksheeres,
das  bald  viele  Zehntausende  zählen  dürfte.  Junge  und  alte  Polen  strömen  aus  allen  Teilen  Galiziens  und
Russisch-Polens  zu  ihren  Fahnen.  In  Stadt  und  Dorf  sind  Millionen  zu  ihrer  Ausrüstung  gesammelt.

600000    Russen  kämpfen  an  der  galizischen  Grenze.  Keine  leichte  Aufgabe  für  unsere  treuen  Verbündeten.
  Dabei  können  wir  ihnen  noch  keine  Hilfe  leisten.  Wir  haben  selbst  im  Osten  und  im  Westen  und  in  Belgien
große  Schlachten  vor  uns  und  dabei  noch  im  Rücken  die  vielen  noch  nicht  gefallenen  Festungen.  Diese  erfordern
noch  eine  große  Truppenzahl  zur  Deckung.

Wie  gemeldet  wird,  soll  das  südlich  von  Antwerpen  liegende  Land  in  einer  Ausdehnung  von  70  Quadratmeilen
  überschwemmt  werden,  um  die  Deutschen  am  Einmarsch  zu  hindern.  Die  Wassertiefe  soll  zwischen  einigen
Zoll  und  mehreren  Fuß  schwanken.

Die  Minengefahr  an  der  englischen  Küste  veranlaßt  nunmehr  zahlreiche  Handelsschiffe,  aus  westenglischen,
statt  aus  ostenglischen  Häfen  nach  dem  Kontinent  und  umgekehrt  auszufahren.  Die  gesamte  Heringsfischerei
und  dle  englische  Textil-Industrie  liegen  lahm.

England  hält  sogar  amerikanische  Hospitaldampfer  zurück,  wie  sie  jetzt  mit  dem  Dampfer  Red  Grose
gemacht  bat.  Der  britische  Gesandte  Ador  habe  erklärt,  er  könne  die  Abreise  des  Dampfers  nicht  zulassen,  weil
die  Mehrheit  der  Besatzung  aus  Deutschen  bestebe.

Aus  Frankreich  und  Belgien  kommen  viele  Flüchtlinge  meistens  bettelarm  nach  England  und
herrscht  heute  schon  große  Angst  darum  in  England.  Wohin  mit  denselben  und  woher  Brot  für  dieselben
nehmen?!?!

Unsere  Kaiserin  besuchte  in  Danzig  die  Verwundeten  im  städtischen  Krankenhause.  Sie  fuhr  nachher
mit  der  Prinzessin  August  Wilhelm  nach  Reustadt,  um  die  dort  untergebrachten  Flüchtlinge  aus  Ostpreußen  zu
besuchen.  Auf  Anordnung  der  Kaiserin  läßt  die  Gutsverwaltung  Kadinen  ein  Reserve-Lazarett  mit  80  bis
100  Betten  einrichten.

Hamburg.  Das  Resultat  für  das  Rote  Kreuz  beträgt  1540662,81      Mark,  das  der  Hamburgischen  Kriegehilfe
  1732169,40      Mark.

Aus  dem  großen  Hauptquartier  meldet  Generalquartiermeister  von  Stein:  Die  östlich  Paris  in  der
Verfolgung  an  und  über  die  Marne  vorgedrungenen  Heeresteile  sind  aus  Paris  und  zwischen  Meaux  und
Montmirail  von  überlegenen  Kräften  angegriffen  worden.  Sie  haben  in  schweren  zweitägigen  Kämpfen
den  Gegner  aufgehalten  und  selbst  Fortschritt  gemacht.  Als  der  Anmarsch  neuer  starker  feindlicher  Kolonnen
gemeldet  wurde,  ist  lhr  Flügel  zurückgenommen  worden.  Der  Feind  folgt  an  keiner  Stelle.  Als  Siegesbeute
dieser  Kämpfe  sind  bisher  50  Geschütze  und  einige  1000  Gefangene  gemeldet.  Die  westlich  Verduns    kämp-66

