Von  der  Armee  Dankl  wird  uns  inzwischen  wieder  berichtet,  daß  General  Kestranek  die  Russen  zurückgeschlagen
  und  600  Gefangene  gemacht  habe.

Was  die  österreichischen  Kämpfe  in  Obergalizien  betrifft,  umfaßten  dieselben  den  Zeitraum  vom  27.  bis
30.  August.  In  allen  Schlachten  und  Kämpfen  hatten  die  österreichisch-  ungarischen  Truppen  mit  den  Russen  etwa
40  Infanteriedivisionen  und  11  Kavallerie-Divisionen  gegen  sich  und  ist  mindestens  die  Hälfte  dieser  Truppen
unter  großen  Verlusten  zurückgetrieben  worden.  Vom  7.  September  wurde  gemeldet,  daß  Ruhe  auf  dem  Kampfplatze
  herrsche.  Nach  dieser  Rube  ergriff  gestern  unsere  Armee  die  Offensive  und  setzt  sie  fort.  Stimmung  und
Vertrauen  ist  zuversichtlich.

Daily  Chronicle  veröffentlicht,  daß  der  Dampfer  Linsdell  auf  eine  Mine  gestoßen  und  gesunken  sei.  Eine
Viertelstunde  spater  stieß  auch  das  Kriegsfahrzeug  Speedy  auf  eine  Mine  und  sank  an  der  Ostküste.

Ein  deutscher  Flieger  warf  eine  Bombe  über  Nancy,  die  nur  geringen  Schaden  anrichtete.

Auf  die  Meldung  des  Generalobersten  von  Hindendurg  am  1.  September  über  die  Vernichtung  der  russischen
  Narew-Armee  richtete  Kaiser  Wilhelm  an  diesen  folgendes  Telegramm:

Ihr  Telegramm  vom  heutigen  Tage  hat  mir  eine  unsagbare  Freude  bereitet.  Eine  Waffentat  haben
Sie  vollbracht,  die  nahezu  einzig  in  der  Geschichte,  Ihnen  und  Ihren  Truppen  einen  für  alle  Zeiten  unvergänglichen
  Ruhm  sichert,  und  wenn  Gott  will,  unser  teueres  Vaterland  für  immer  vom  Feinde  befreien
wird.  Als  Zeichen  meiner  dankbaren  Anerkennung  verleihe  ich  Ihnen  den  Orden  pour  le  merite  und  ersuche,
  den  braven  unvergleichlichen  Truppen  Ihrer  Armee  für  ihre  herrlichen  Taten  meinen  kaiserlichen
Dank  auszusprechen.  Ich  bin  stolz  auf  meine  preußischen  Regimenter.  Wilbelm  I.  R.

Generaloberst  von  Hindenburg  hat  zugleich  nach  der  Bekanntgabe  des  kaiserlichen  Telegrammes  an  die
von  ihm  befehligte  8.  Armee  am  Jahrestage  von  Sedan  folgenden  Heeresbefehl  gerichtet:  Soldaten  der  8.  Armee!
Die  vieltägigen  heißen  Kämpfe  auf  den  weiten  Gefilden  von  Allenstein  und  Neidenburg  sind  beendet.  Ihr
habt  einen  vernichtenden  Sieg  über  fünf  Armeekorps  und  drei  Kavallerie-Divisionen  errungen.  Mehr  als  60000  
Gefangene,  ungezählte  Geschütze  und  Maschinengewehre,  mehrere  Fahnen  und  viele  sonstige  Kriegsbeute
sind  in  unseren  Händen.  Die  geeringen,  der  Einschließung  entronnenen  Trümmer  der  russischen  Narew-Armee
  steuern  nach  Süden  über  die  Grenze.  Die  russische  Wilna-Armee  hat  von  Königsberg  den  Rückzug  angetreten.
  Rächst  Gott  dem  Herrn  ist  dieser  glänzende  Erfolg  Euerer  Opferfreudigkeit,  Eueren  unübertrefflichen
Marschleistungen  und  Euerer  hervorragenden  Tapferkeit  zu  danken.  Ich  hoffe,  Euch  jetzt  einige  Tage  wohlverdienter
  Ruhe  lassen  zu  können.  Dann  aber  geht  es  mit  frischen  Kräften  wieder  vorwärts  mit  Gott  für  Kaiser,
König  und  Vaterland,  bis  der  letzte  Russe  unsere  teuere  schwer  geprüfte  Heimatprovinz  verlassen  hat  und  wir
unsere  sieggewohnten  Fahnen  in  Feindesland  hineingetragen  haben.  Es  lebe  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König!

Generaloberst  von  Bülow  erließ  nach  den  slegreichen  Kämpfen  vom  26.  August  folgenden  Tagebefehl
an  seine  Truppen:

Seine  Moajestät  der  Kaiser  hat  mir  noch  am  Vorabend  der  Schlacht  von  St.  Quentin  seine  vollste  Zufriedenheit
  mit  den  bisherigen  Leistungen  der  Armee  ausgesprochen.  Ich  bringe  diese  allerhöchste  Anerkennung  gern
zur  Kenntnis  meiner  braven  Truppen.

Es  ist  gekommen,  wie  ich  zu  Beginn  dieses  Krieges  sagte,  Ich  habe  Großes  von  Euch  gefordert  und  Ihr
habt  es  geleistet.  Zwei  starke  Festungen  habt  Ihr  unter  entscheidenden  Leistungen  unserer  vortrefflichen  Fußartillerie
  und  der  braven  Pioniere  in  staunenswerter  Schnelligkeit  bezwungen.  In  der  zweitägigen  Schlacht
bei  Namur  habt  Ihr  die  Belgier  und  Franzosen  aufs  Haupt  geschlagen.  In  rastloser  Verfolgung  habt  Ihr
den  Feind  vor  Euch  hergetrieben  und  dabei  auch  den  Engländern  Schläge  versetzt,  die  diese  übermütigen  Gesellen
  sobald  nicht  vergessen  werden.

Alle  Waffen  haben  an  Tapferkeit  und  Ausdauer  mit  einander  gewetteifert.  Reich  war  die  Beute.  6  Fahnen,
59 Geschütze,  55  Moschinengewehre,  6800  Waffen,  80  Fahrzeuge,  10400    Gefangene  sind  in  Euerer  Hand.

Groß  waren  auch  die  Opfer,  Ruhm  und  Ehre  allen  denen,  die  mit  ihrem  Blut  die  Treue  gegen  ihren  allerböchsten
  Kriegsherrn  besiegelt  haben.  Soldaten,  ich  danke  für  das,  was  Ihr  vollbracht  habt.  Vorwärts  hieß
bisher  Euere  Losung,  sle  soll  auch  weiter  unverändert  sein.

70