Der  neue  Papft,  Benedikt  XV.,  erläßt  einen  glühenden  Appell  an  seine  Katholiken.  Er  sagt  darin,  daß
er,  wie  sein  toter  Vorgänger  das  größte  Entsetzen  über  den  Weltkrieg  empfinde,  und  mahnt  alle  Katholiken,
um  den  Frieden  zu  bitten.  Dann  wendet  sich  der  Paopst  speziell  an  die  Staatsoberhäupter  mit  der  Bitte,  dem
Krieg  ein  Ende  zu  bereiten.

Die  bestialische  Kriegführung  der  Russen  wird  von  allen  Seiten,  wo  dieselben  eingedrungen  waren,  unter
Schilderung  der  scheußlichsten  Vorgänge  bekundet.

Amtlich  wird  heute  bestätigt,  daß  das  22.  russische  Armeekorps  versucht  hat,  über  Lyck  in  den  Kampf  in
Ostpreußen  einzugreifen.  Es  ist  aber  bei  Lyck  geschlagen  worden.

Interessant  ist  die  heutige  Aufstellung  über  die  Gesamtzahl  der  Kriegsgefangenen.  Nach  derselben  sind
insgesamt  269760    Gefangene  in  Deutschland  untergebracht,  worunter  über  4000  Offiziere.  Es  sind  Franzosen,
Russen,  Belgier  und  Engländer.  2  französische  Generäle,  2  russische  Kommandierende  und  13  andere
Generäle  und  der  belgische  Kommandant  von  Lüttich.  Eine  hübsche  Zusammenstellung.  Nimmt  man  hierzu
noch  dle  Verluste  an  Toten  und  Verwundeten,  dann  erkennt  man  die  riesige  Arbeit,  welche  unsere  braven  Truppen
in  der  Zeit  vom  2.  August  bis  heute  geleistet  haben.

12.  September.

Ein  Zeppelin-Kreuzer  hat  abermals  über  Antwerpen  6  Bomben  geworfen  ohne  erheblichen  Schaden
anzurichten.  Er  wurde  von  einem  Forts  aus  beschossen,  entkam  aber  dem  feindlichen  Feuer.

Die  Hilfskasse  für  Gewerbetreibende  in  Hamburg  ist  nunmehr  konstituiert.  Alle  Gesuche  sind  an
den  Vorstand  zu  richten  und  müssen  Mitteilungen  betreffend  Sicherheit  enthalten.  Große  Bleichen  61—67.

13.  September.

Generalquartiermeister  von  Stein  teilt  mit,  daß  die  Armee  des  Generalobersten  von  Hindenburg  die  russische
Armee  in  Ostpreußen  nach  mehrtägigem  Kampfe  vollsiändig  geschlagen  hat.  Der  Röckzug  erfolgte  fluchtartig.
Es  wurden  10000    Gefangene  und  80  Geschütze,  außerdem  Maschinengewehre,  Flugzeuge  und  Fahrzeuge  aller
Art  erbeutet.

Die  Kriegslage  in  Galizien  ist  anhaltend  sehr  gut.

Nach  einer  im  Großen  Hauptquartier  eingetroffenen  Mitteilung  wurde  am  5.  September  der  Ausfall  
aus  Paris  durch  die  Armee  Kluck  abgewiesen.  Unsere  Truppen  kamen  bei  der  Verfolgung  des  Feindes  in  das
Artilleriefeuer  der  östlichen,  bezw.  der  nordöstlichen  Forts  von  Paris.  Sie  haben  50  Geschütze  erobert  und
3000  Gefangene  gemacht.  —  Am  6.  September  unternahmen  die  Franzosen  einen  neuerlichen  Ausfall.

14.  September.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatze  haben  die  Operationen,  über  die  Einzelheiten  noch  nicht  veröffentlicht
werden  können,  zu  einer  neuen  Schlacht  geführt,  die  günstig  steht.

In  Belgien  ist  heute  ein  Ausfall  aus  Antwerpen,  den  drei  belgische  Divisionen  unternahmen,  zurückgeworfen
  worden.

Die  Lage  in  Ostpreußen  ist  hervorragend  gut.  Die  russische  Armee  flieht  in  voller  Auflösung.  Bisher
hat  sie  mindestens  150  Geschätze  und  20—30000    unverwundete  Gefangene  verloren.

In  der  Schlacht  bei  Lemberg  gelang  es  den  össterreichisch-ungarischen  Truppen,  an  der  Grodeker  Chaussee
den  Feind  nach  fünftägigem  hartem  Ringen  zurückzudrängen  und  an  10000    Gefangene  zu  machen  und  zahlreiche
  Geschütze  zu  erbeuten.

Unser  Erfolg  konnte  jedoch  nicht  voll  ausgenützt  werden,  da  unser  Nordflügel  bei  Rawaruska  von  großer
Übermacht  bedrängt  war  und  überdies  neue  russische  Kräfte  sowohl  gegen  die  Armee  Dankl,  als  auch  in  dem
Raume  zwischen  unserer  Armee  und  dem  Schlachtfelde  von  Lemberg  vordrangen.  Angesichts  der  sehr  bedeutenden
  Überlegenheit  des  Feindes  war  es  geboten,  unsere  schon  seit  drei  Wochen  fast  ununterbrochen  mit