16.  September.

Amtlich  wird  gemeldet:  Der  auf  dem  rechten  Flügel  des  Westheeres  seit  zwei  Tagen  stattfindende  Kampf
dehnte  sich  heute  auch  auf  die  nach  Osten  anschließende  Armee  bis  Verdun  heran  aus.  An  einigen  Stellen
des  ausgedehnten  Kampffeldes  sind  bisber  Teilerfolge  der  deutschen  Waffen  zu  verzeichnen.  Im  übrigen  steht
die  Schlacht  noch.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  ordnet  sich  die  Armee  von  Hindenburg  nach  abgeschlossener  Verfolgung.
  Die  in  Oberschlesien  verbreiteten  Gerüchte  über  drohende  Gefahr  sind  nicht  begründet.

Aus  Rom  wird  gemeldet:  Ein  japanisches  Torpedoboot  stieß  vor  Kiautschau  auf  eine  Mine  und  sank.

Die  über  die  Save  eingebrochenen  serbischen  Kräfte  wurden  überall  zurückgeschlagen.  Syrmien  ist  daher
vom  Feinde  vollständig  frei.

Poincaré  leugnet  in  einem  Telegramm  an  den  Präsidenten  Wilson  die  Verwendung  der  Dum-Dum-Geschosse.


Die  serbischen  Verluste  beziffern  sich  auf  25000  Mann.  Schrecklich  ist  der  Hunger,  der  im  Lande  herrscht.
Infolgedessen  herrschen  auch  in  allen  Orten  Epidemien  und  Krankheiten.  Die  Lage  ist  geradezu  verzweifelt.

Ein  deutscher  Husarenstreich.  Ein  Leutnant  der  Fliegerabteilung,  Sohn  eines  Generals,  erhält  Befehl,
  einen  Landungsplatz  für  Flieger  auszukundschaften.  Das  geschleht.  Der  Offizier  saust  im  Automobil
mit  dem  Chauffeur  los.  Im  Moment,  als  er  auf  einem  geeigneten  Platz  neben  einem  Waldesrand  hält,  stürzen
aus  dem  Walde  drei  Zuaven  hervor.  Im  Nu  sind  sie  entwaffnet.  Da  wirbeln  auf  der  Straße,  die  der  Leutnant
zurückfahren  muß,  Staubwolken  auf.  Feindliche  Kavallerie!  Der  deutsche  Offizier  überlegt  nicht  lange.  Den
einen  Zuaven  setzt  er  ouf  den  Kühler  des  Kraftwagens  und  bindet  ihn  dort  an.  Die  zwei  anderen  setzt  er  zusammengebunden
  vor  sich  in  den  Wagen.  Und  nun  fliegt  das  Auto  an  der  feindlichen  Kolonne  vorbei.  Der
junge  Offizier,  gedeckt  von  den  Zuaven  wird  für  einen  Franzosen  gehalten  und  trifft  wohlbehalten  bei  der
Truppe  ein.

Der  König  von  Sachsen  erhält  die  Nachricht,  daß  die  sächsischen  Truppen  in  den  Kämpfen  an  der  Marne
am  9.  September  50  Geschütze  erbeutet  und  mehrere  tausend  Gefangene  gemacht  haben.

Aus  Chartres  wird  gemeldet:  Die  Kämpfe  der  letzten  Tage  sind  sehr  heftig  und  blutig  gewesen.  In  allen
Städten  der  Gegend  rund  um  Paris  sind  die  Krankenhäuser  gefüllt  mit  Verwundeten.  Paris  selbst  ist  ein
großes  Krankenhaus.  Allein  durch  Orleans  sind  einige  Tage  hintereinander  7000  Verwundete  transportiert
worden.

Verlustziffern  1870  und  1914.  Nach  Moltke  betrugen  die  Gesamtopfer  des  Krieges  1870/71  6247  Ofsiziere,
  123453    Mann.

Die  Hamburgische  Lehrerschaft  hat  als  ersten  Monatsbeitrag  für  die  Kriegohilfe  70000    Mark  gezeichnet;
fast  30  Listen  stehen  noch  aus.  Bleibt  die  Zahl  der  im  Felde  stehenden  Lehrer  unberücksichtigt,  so  haben  Volksschullehrer
  und  Volksschullehrerinnen  über  10%  ihres  Gehaltes  geopfert.  Zweifellos  eine  in  hohem  Maße
anerkennenswerte  Tatsache.

Der  neu  ernannte  Posener  Erzbischof  Likowski  empfiehlt,  die  Kirchenvermögen  in  Kriegsanleihen
anzulegen.

Rußland  hat  im  Anschluß  an  seinen  würdigen  Bundesgenossen,  den  Engländer,  alle  deutschen  Erfinderpatente
  in  Rußland  aufgehoben.

Die  Franzosen  haben  die  südfranzösischen  Provinzen  für  die  Journalisten  gesperrt,  jedenfalls  damit
die  Wahrheit  über  ihre  Niederlagen  nicht  bekannt  wird.

Der  Restertrag  der  Sammlung  für  Binnenschiffer  wurde  der  Hamburger  Kriegshilfe  Bezirk  Veddel  übergeben.
  Es  waren  noch  202,02  Mark.  Der  Betrag  ist  in  der  Beilage  zu  Nr.  225  A  Fremdenblatt  quittlert.

Der  Hamburger  Landwehrmann,  Vizefeldwebel  John  de  Wit,  hat  für  seine  Tapferkeit  auf  dem  Schlachtfelde
  das  Eiserne  Kreuz  erhalten.

Die  Hamburger  Bürgerschaft  stimmte  dem  Senatsantrag  auf  Bewilligung  weiterer  fünf  Millionen  zur
Linderung  des  durch  den  Krieg  hervorgerufenen  Notstandes  ohne  Erörterung  bei.

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