17.  September.

Aus  dem  großen  Hauptquartier  wird  amtlich  gemeldet:  Die  Lage  auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz
ist  seit  gestern  unverändert.  An  einzelnen  Stellen  der  Schlachtfront  sind  Angriffe  der  französischen  Truppen
in  der  Nacht  vom  15.  zum  16.  September  und  im  Laufe  des  16.  September  zurückgewiesen.  Einzelne  Gegenangriffe
  der  Deutschen  waren  erfolgreich.

Amtlich  bestätigte  Personalveränderungen  in  den  Führerstellen  unseres  Heeren.  Für  den  erkrankten  Generaloberst
  von  Hausen  ist  General  der  Kavallerie  von  Einem  zum  Armeeführer  und  für  diesen  der  General
der  Infanterie  von  Claer  zum  kommandierenden  General  des  7.  Armeekorps  ernannt  worden.  —  General
der  Artillerie  von  Schubert,  bisher  kommandierender  General  des  14.  Reservekorps,  ist  zu  anderweitiger  Verwendung
  bestimmt  worden;  für  ihn  ist  Generalquartiermeister  von  Stein  zum  kommandierenden  General
des  14.  Reservekorps  ernannt  worden.  —  General  der  Infanterie  Graf  Kirchbach,  kommandierender  General
des  10.  Reservekorps,  ist  verwundet.  Für  ihn  ist  General  der  Infanterie  von  Eben  zum  kommandierenden
General  des  10.  Reservekorps  ernannt  worden.

Unseren  Truppen  fiel  folgender  Befehl  des  Kommandanten  der  ersten  französischen  Armee  in  die
Hände.  Derselbe  lautet  in  Übersetzung:

Es  ist  dem  Oberbefehlshaber  der  ersten  Armee  durch  die  Stadtbehörde  Rambervillers  zur  Kenntnis
gebracht,  daß  sich  die  Soldaten  in  dieser  Stadt  zu  Akten  der  Gewalttätigkeit  und  der  Plünderung  haben
hinreißen  lassen.  Diese  Handlungen  sind  um  so  bedauerlicher  und  verwerflicher,  als  sie  auf  französischem
  Boden  begangen  wurden.  Der  kommandierende  General  des  21.  Korps  wird  sofort  bie  Untersuchung
  dieser  Angelegenheit  einleiten,  damit  die  Urheber  dieser  Verbrechen  dem  Kriegsgericht  übergeben
  werden  können.  gez.  Dubail.

Mit  diesem  Dokument  wird  besonders  die  bei  unserer  kronprinzlichen  Armee  gemeldete  Wahrnehmung,
daß  die  französischen  Truppen  sogar  im  eigenen  Lande  plündern  und  rauben,  von  amtlicher  Seite  bestätigt.

Die  Königin  der  Niederlande  wies  in  ihrer  Thronrede  darauf  hin,  in  wie  ernster  Zeit  die  Generalstaaten
zusammentraten.  Mit  besonderem  Nachdruck  stellte  die  Känigin  ihrem  Volke  die  Plichten  der  Neutralitiät
vor.  Wir  wollen  gern  und  mit  Befriedigung  feststellen,  daß  die  Niederlande  diesen  Pflichten  mit  der  größten
Sorgsamkeit  nachzukommen  sich  bemühen.  Diese  Feststellung  erscheint  um  so  wertvoller,  als  es  nicht  an  Versuchen
  fehlt,  die  holländische  Bevölkerung  in  ihren  Anschauungen  über  das,  was  die  Neutralität  in  dem  gegenwärtigen
  Kriege  gebietet,  wankend  zu  machen.

Der  Befreier  Ostpreußens,  Generaloberst  von  Hindenburg,  wurde  von  allen  vier  Fakultäten  der  Universitet
  Königsberg  zum  Ehrendoktor  ernannt.  Diese  Ehrung  sieht  in  der  Geschichte  der  Universität  Königsberg
  einzig  da.

Gegenüber  den  schwindelhaften  Lügen  unserer  Gegner  wird  versichert,  daß  unsere  Luftschiffe,  sei  es  Zeppelin,
Schütte-Lanz,  Parseval  oder  Groß  weder  in  feindliche  Hände  gefallen  oder  gar  vernichtet  seien.  Sie  befinden
sich  alle  intakt.  Die  leichten  Beschädigungen,  die  sie  durch  Schüsse  erhalten  haben,  sind  repariert.  —  Drei  deutsche
Flieger  erschienen  gestern  über  Paris  und  wurden  mit  Feuer  begrüßt.  Ibre  geworfenen  Bomben  richteten  einigen
Schaden  an,  dann  machten  sie  wieder  kehrt  und  trafen  wohlbehalten  im  Lager  ein.

Prinz  Friedrich  Karl  von  Hessen,  der  Schwager  des  Kaisers,  wurde  durch  einen  Schuß in  den  Oberschenkel
schwer  vewundet.

Wie  aus  der  Verlustliste  zu  ersehen  ist,  wurde  der  kommandierende  General  des  12.  Armeekorps,  General
der  Infanterie  d'Elsa  am  rechten  Oberarm  verwundet.  Seine  drei  Söhne  fielen  auf  dem  Felde  der  Ehre.

Der  Sohn  des  österreichischen  Generalstabschefs  Freiherrn  Conrad  von  Hötzendorf,  der  Leutnant  im  15.    Dragonerregiment,
  Freiherr  Herbert  von  Hötzendorf,  ist  bei  Rawaruska  gefallen.

Der  Sohn  des  verstorbenen  Bürgermeisters  Dr.  D.  Burchardt,  Hamburg,  Leutnant  der  Reserve,  Dr.
Heinrich  Burchardt,  hat  wegen  Tapferkeit  vor  dem  Feinde  das  Eiserne  Kreuz  zweiter  Klasse  erhalten.

In  der  Schlacht  zwischen  Oise  und  Maas  ist  die  endgiltige  Entscheidung  noch  nicht  gefallen,  aber  gewisse
Anzeichen  deuten  darauf  hin,  daß  die  Widerstandskraft  des  Gegners  zu  erlahmen  beginnt.  Ein  mit  großer  Bra-75

