unsere  Heeresführer  muß  uns  sagen,  daß  es  so  ist.  Sie  haben  bis  jetzt  gezeigt,  daß  sie Übergroßes  leisten  können  und
das  wochenlange  Schweigen  bedeutet  große  strategische  Vorbereitungen.  Die  zurückgeschlagenen  Ausfälle  und
Scharmützel  beweisen,  daß  alles  auf  dem  richtigen  Posten  ist,  sowohl  im  Westen,  wie  im  Osten  und  bei  unseren  Verbündeten,
  den  Österreichern  und  Ungarn.  —  Auch  der  Himmel  macht  seit  einer  Woche  ein  Gesicht,  daß  man
heulen  möchte  und  für  manchen  zum  Abschiednehmen  just  das  rechte  Wetter.  Ja  viele  haben  für  immer  Abschied
genommen  und  haben  ihr  Herzblut  fürs  Vaterland  vergossen.  Und  die  Zahl  derer  ist  keine  kleine.  Doch  wir
dürfen  nicht  weich  sein,  möge  der  Herr  der  Heerscharen  ihnen  die  fremde  Erde  leicht  werden  lassen  und  sie  dereinst
  zur  ewigen  Heerschau  erwecken.  Wir  aber  wollen  ihnen  allen  einen  Dankaltar  errichten  und  ihnen  ein
ehrendes  Andenken  bewahren.  Wenn  wir  zusammenstellen,  wie  viele  Feinde  auf  allen  Seiten  gefangen  genommen
wurden,  so  bringen  wir  die  Zahl  350000    zusammen  und  das  in  einem  Zeitraum  von 7  Wochen.  Das  ist  eine  Arbeit,
das  ist  eine  Riesenleistung  von  Seiten  unserer  und  der  Verbündeten  Armee.  Berechnen  wir  die  Zahl  der  Gefallenen
  und  Verwundeten  auf  das  Doppelte,  so  ergeben  sich  wieber  700000    Mann,  die  unser  Feind  verloren
hat.  Daß  er  im  Westen  wie  im  Osten  kolossal  geschwächt  ist,  das  ergibt  sich  aus  diesen  Zahlen.  1050000      Mann
Verluste.  Daß  dabei  mancher  unserer  braven  Truppen  sein  Leben  geopfert  hat,  das  ist  selbstverständlich.

In  Marokko  sind  bedenkliche  Unruhen  ausgebrochen  und  sind  französische  und  spanische  Kriegsschiffe
  zur  Bekämpfung  dorthin  entsandt  worden.  Tausende  Marokkaner  flohen  nach  Algeciras.

Prinz  August  Wilhelm,  der  vierte  Sohn  des  Kaiserpaares  und  Prinz  Friedrich  Karl,  ein  Sohn  des
Prinzenpaares  Friedrich  Leopold,  der  bei  den  schwarzen  Husaren  steht,  haben  beide  das  Eiserne  Kreuz  erhalten.

Vier  Söhne  hat  der  Geheime  Rat  Dr.  von  Krause,  der  Vizepräsident  des  preußischen  Abgeordnetenhauses,
  dem  Vaterlande  gestellt.  Der  älteste  und  der  zweite  sind  bereits  verwundet,  der  dritte  ist  bislang  gut
durchgekommen  und  der  jüngste  hat  sich  jetzt  als  Kriegsfreiwilliger  gestellt.

Rabaul,  der  Sitz  des  Gouverneurs  von  Deutsch-Neu-Guinea,  ist  von  den  Engländern  besetzt  worden.

In  der  Nähe  von  Pontavert  ist  ein  französisches  Flugzeug  abgeschossen  worden.  In  demselben  befand
sich  ein  Generalstabsoffizier  und  der  bekannte  Flieger  Chevillard.

Der  Hamburgische  Senat  hat  für  die  Armenanstalt  933300    Mark  mit  der  Bürgerschaft  bewilligt.

Das  Ergebnis  der  Zeichnungen  auf  die  Kriegsanleihen  kann  mit  einer  Milliarde  Mark  Schatzanweisungen
bis  jetzt  auf  über  3½  Milliarden  Mark  festgestellt  werden.  Der  Erfolg  übertrifft  alle  Erwartungen  und  ist  ein
prächtiger  Beweis  für  die  Kapitalkraft,  aber  auch  für  die  vaterländische  Begeisterung  des  deutschen  Volkes.

Die  Kriegslage  im  Westen  ist  im  allgemeinen  unverändert.  Auf  der  ganzen  Schlachtfront  ist  das  englischfranzösische
  Heer  in  die  Verteidigung  gedrängt.  Der  Angriff  gegen  die  starken,  zum  Teil  in  mehreren  Linien
hintereinander  befestigten  Stellungen  kann  nur  langsam  vorwärts  gehen.  Die  Durchführung  des  Angriffe
gegen  die  Sperrfortlinie  südlich  Verdun  ist  vorbereitet.  Im  Elsaß  stehen  unsere  Truppen  längs  der  Grenze
den  französischen  Kräften  dicht  gegenüber.

Im  Osten  ist  am  19.  September  die  vierte  finnländische  Schützenbrigade  bei  Augustow  geschlagen.
Beim  Vorgehen  gegen  Ossowice  wurden  Grasewo  und  Szezuczyn  nach  kurzem  Kampf  genommen.

Die  Herzogin  von  Schleswig-Holstein,  die  Gemahlin  des  Herzogs  Ernst  Günther  von  Schleswig-Holstein,
  die  ihr  Examen  als  Krankenschwester  kürzlich  bestanden  hat,  ist  jetzt  bie  zu  ihrer  Unterweisung  an
einem  Feldlazarett  in  einem  Berliner  Lazarett  als  Schwester  Dorothea  tätig.  Man  wird  in  der  Schwester  Dorothea,
  die  mit  unendlichem  Eifer  ihren  Dienst  versieht,  nicht  leicht  die  Schwäagerin  des  deutschen  Kaisers  erkennen
und  noch  weniger  werden  belgische  Verwundete  ahnen,  daß  ihnen  von  einer  Enkelin  ihres  ehemaligen  Königs
Leopold  die  Linderung  ihrer  Wunden  zuteil  wird.

Der  hochbetagte  Kaiser  Franz  Josef  besuchte  die  Verwundelen  im  Reservespital  des  Augartenpalais.
Er  wurde  von  der  Exrzherzogin  Maria  Josefa,  der  Erzherzogin  Zita,  dem  Erzherzog  Max  und  den  ärztlichen
Leitern  des  Lazorette  begrüßt.  Er  sprach  beinahe  mit  jedem  Verwundeten  und  erkundigte  sich  über  Verwundung,
Ort  und  Zeit  derselben.  Das  Publikum  brachte  ihm  überall  begeisterte  Kundgebungen  entgegen.

Die  deutsche  Kronprinzessin  feiert  heute  ihren  29.  Geburtstag  im  Kreise  ihrer  Kinder  im  kronprinzlichen
Palais.