Den  3.  Oktober  1914.  Das  große  Hauptquartier  meldet  amtlich:  Von  dem  westlichen  Armeeflügel  wurden
erneute  Umfassungsversuche  der  Franzosen  abgewiesen.  Südlich  Roye  sind  die  Gegner  aus  ihren  Stellungen
geworfen.  In  der  Mitte  der  Schlachtfront  ist  die  Lage  unverändert.  Die  in  den  Argonnen  vordringenden
Truppen  erkämpften  im  Fortschreiten  nach  Süden  wesentliche  Vorteile.  Östlich  der  Maas  unternahmen  die
Franzosen  von  Toul  energische  nächtliche  Vorstöße,  die  unter  schweren  Verlusten  für  sie  zurückgeworfen
wurden.

Vor  Antwerpen  sind  das  Fort  Wavre,  St.  Catharine  und  die  Redoute  Dorpweld  mit  Zwischenwerken
  gestern  nachmittag  5  Uhr  erstürmt.  Das  Fort  Waelhem  ist  eingeschlossen.  Der  westlich  herausgeschobene
  wichtige  Schulterpunkt  Termonde  befindet  sich  in  unserem  Besitz.

Auf  dem  östlichen  Kriegsschauplatz  scheint  der  Vormarsch  russischer  Kräfte  über  den  Niemen  gegen  das
Gouvernement  Suwallki  bevorzustehen.

Der  Feldzeugmeister  Potiorek  gibt  amtlich  bekannt:  Unsere  in  Serbien  befindlichen  Truppen  stehen
seit  zwei  Tagen  im  Angriffskampf.  Bisher  schreitet  die  eigene  Offensive  gegen  den  überall  in  stark  verschanzten
und  mit  Drahthindernissen  geschützten  Stellungen  postierten  Gegner  zwar  langsam,  aber  günsiig  fort.

Mit  der  Säuberung  der  von  serbischen  und  montenegrinischen  Truppen  und  Irregulären  beunruhigten
Gegenden  Bosniens  ist  energisch  begonnen.  Hierbei  wurde  gestern  ein  komplettes  serbisches  Bataillon
umzingelt,  entwaffnet  und  kriegsgefangen  abtransportiert.  Die  von  den  Serben  verbreitete  Behauptung  über
die  Vernichtung  der  40.  Honveddivision  ist  ein  neuer  Beweis  der  lebhaften  serbischen  Phantasie.  Die  Division
befindet  sich,  wie  die  Serben  sich  zu  überzeugen  in  den  letzten  Tagen  wiederholt  Gelegenheit  hatten,  in  bester  Verfassung
  in  der  Gefechtsfront  und  nahm  ebenso  wie  bei  Bisograd,  auch  an  den  Kämpfen  der  letzten  Woche,  rühmlichst
  Anteil.

Das  Bureau  des  preußischen  Abgeordnetenhauses  gibt  ein  am  1.  Oktober  aufgestelltes  Verzeichnis
der  im  Heeresdienst  befindlichen  Mitglieder  des  Preußischen  Abgeordnetenhauses  heraus.  Es  sind  dort  45  Konservative,
  10  Freikonservative,  12  Zentrumsabgeordnete,  16  Nationalliberale  und  von  der  Fortschrittlichen
Volkspartei  Schmiljan  aus  Danzig  als  Deckoffizier  genannt.

Als  Beweis  dafür,  daß  von  unseren  Feinden  Kriegsvorbereitungen  bereits  im  April  getroffen  wurden,
veröffentlicht  der  römische  Korrespondent  der  Kölnischen  Volkszeitung  einen  Pariser  Brief,  wonach  eine  Mailänder
  Firma  am  1.  April  1914  aufgefordert  wurde,  Angebote  auf  Lieferung  einer  großen  Zahl  Feldöfen
und  Feldküchen  an  die  französische  Militärverwaltung  zu  machen.  Der  Zuschlag  sollte  am  14.  April  erfolgen.


Daß  England  schon  am  2.  August  mit  seinen  Kriegsvorbereitungen  im  fernen  Osten  fertig  war,  beweist
uns  u.  a,  auch  ein  soeben  von  San  Franzisko  in  Hamburg  eingetroffener  Brief  eines  Deutsch-Amerikaners,
der  als  Schiffsproviantmeister  zwischen  San  Franzisko  und  China  verkehrt.  Er  schreibt  u.  a.:  Mein  Schiff  war
gerade  in  Hongkong  am  2.  August,  als  die  Engländer  die  Vorbereitungen  zum  Kriege  trafen,  und  den  Hafen
für  die  Schiffe  schlossen.  Unser  Schiff  war  das  letzte,  das  den  Hafen  verließ.

Die  Stimmung  der  Kalifornier  ersieht  man  aus  folgenden  Sitzen:  Furchtbare  Wut  herrscht  hier  auf  die
Russen  und  Engländer.  Jetzt  haben  die  Engländer  auch  Japan  mit  hineingezogen.  Wenn  das  noch  lange
dauert,  wird  Onkel  Sam  auch  noch  dreinschlagen.  Selbstredend  nur  auf  Seiten  Deutschlands.

In  Rußland  gärt  en  wieder  mal  ganz  gewaltig.  Die  ukrainische  sozialrevolutionäre  Partei  hat  einen
Bund  zur  Befreiung  der  Ukraine  gebildet.  Der  Boden  in  Rußland  ist  zur  Genüge  zur  revolutionären  Bewegung
  vorbereitet.  Entfaltet  sich  erst  einmal  die  Revolution  der  Ukrainer,  dann  werden  auch  die  anderen  Völker
Rußlands  diesem  Beispiele  folgen.  Verschiedentlich  herrscht  die  Meinung,  daß  der  Zar  aufrichtig  gesonnen
war,  unter  allen  Umständen  mit  Kaiser  Wilhelm  den  Frieden  zu  erhalten  und  nur  der  Großfürst  Nikolajewitsch
  mit  seinen  Anhängern  ohne  Wissen  des  Zaren  die  Mobilisierung  angeordnet  habe.  Als  das  russische
Heer  bereits  den  Vormarsch  angetreten  habe,  erzwang  Nikolajewitsch  vom  Zaren  die  Unterschrift  zum  Mobilmachungsbefehl,
  die  der  Zar  schweren  Herzens  erteilt  habe.