Aus  Sofia  wird  gemeldet:  In  Strumiza  angekommene  serbische  Flüchtlinge  berichten,  daß  zwischen
Serben  und  Bulgaren  (bulgarischen  Banden)  erbitterte  Kämpfe  bei  Istip  stattfanden.  Die  Serben  hätten
Verstärkungen  erhalten.  Es  finde  eine  regelrechte  Belagerung  von  Istip  statt.  Über  200  bulgarische  Familien
aus  der  Umgebung  der  Stadt  seien  gefesselt  in  das  Innere  des  Landes  gebracht.

Eine  willkommene  Beute  machte  eine  hessische  Division,  indem  sie  einen  Güterzug  mit  für  französische
Truppen  bestimmtem  Wollzeug  in  Beschlag  nahm.  Die  aufgefangene  Wolle  wurde  nach  Darmstadt  verbracht,
wo  sie  für  Liebesgaben  verarbeitet  werden  soll.

Der  Gouverneur  von  Antwerpen  teilte  gestern  abend  um  10  Uhr  dem  Bürgermeister  mit,  daß  die  Beschießung
  der  Stadt  durch  die  Deutschen  unmittelbar  bevorstände.  Die  Stadt  würde  aber  trotzbem  unter  allen
Umständen  Widerstand  leisten.

Der  Nieuwe  Rotterdamsche  Courant  schreibt:  Jetzt  dürfe  gemelbet  werden,  daß  auf  dem  Festlande  beträchtliche
  Zahlen  von  englischen  Truppen  eingetroffen  seien,  die  sich  in  diesem  Augenblick  in  der  Nähe  der  am
meisten  bedrohten  Punkte  Belgiens  befinden.  Die  Engländer  führen  Automobile  mit  Maschinengewehren,
ganze  Züge  Londoner  Omnibusse,  Autos  und  Flugzeuge  mit  sich,  namentlich  Transportfahrzeuge  werden  mechanisch
  getrieben,  so  daß  die  Engländer  sehr  mobll  sind.

An  der  ungarischen  Grenze  ergriffen  die  österreichisch-ungarischen  Truppen  die  Offensive  und  drängen  über
die  Grenze  hinaus.  Truppen  stehen  seit  Montag  bei  Tecsoe  mit  den  Russen  in  heftigem  Kampfe.  Bei  Koroessalva
  endete  der  Kampf  mit  vollständigem  Siege.  Die  Russen  sind  dort  vernichtet  oder  gefangen  genommen.
Hier  bildeten  2000  polnische  Legionäre  die  Vorhut.

Die  südslawische  Korrespondenz  schreibt  aus  Sofia:  Die  Meldung  über  die  großen  Erfolge  der  österreichischungarischen
  Truppen  gegen  die  Serben  rief  hier  den  größten  Eindruck  hervor.  Die  Blätter  besprechen  die  Lage
der  kriegführenden  Mächte  und  sind  übereinstimmend  der  Meinung,  daß  die  militärische  Gesamtlage  sich  zugunsten
  der  Verbündeten  neige,  die  heute  auf  dem  Kriegsschauplatz  mit  Erfolg  operieren.  Während  der  Armeebefehl
  des  Erzherzoge  Friedrich  den  Beginn  eines  neuen  für  die  verbündeten  Armeen  günstigen  Abschnittes
auf  dem  galizischen  Kriegsschauplatze  ankündigte,  erledige  die  österr.-ungarische  Armee  den  serbischen  Widersacher,
  der  nur  eine  Episode  sei.  Was  den  deutschen  Kriegsschauplatz  betreffe,  so  sei  von  der  überwältigenden
deutschen  Armee  nur  zu  erwarten,  daß  sie  ihren  Triumph  vollenden  werde.  Niemand,  sagt  die  Kombana,  kann
bei  richtiger  Einschätzung  der  Sachlage  an  dem  entgiltigen  Erfolge  der  deutschen  Waffen  zweifeln.

Pring  Eitel  Friedrich  ist  im  Gefecht  mit  seinem  Perde  gestürzt  und  zog  sich  eine  Verletzung  des  Kniees
zu.  Prinz  Joachim  erwartet  die  Erlaubnis  des  Kaisers,  sich  zur  Front  zurückbegeben  zu  dürfen.

Aus  Sofia  wird  gemeldet,  daß  vorige  Woche  in  Nisch  ein  serbischer  Ministerrat  unter  König  Peter's
Vorsitz  stattfand,  der  sich  mit  der  Frage  befaßte,  Österreich  einen  Friedensvorschlag  zu  machen.  Ein  russischer
Großfürst,  der  dem  Rat  beiwohnte,  war  entschieden  dagegen.  Deshalb  konnte  kein  endgültiger  Beschluß  erzielt
  werden.

Von  großem  Interesse  dürfte  die  bie  jetzt  amtlich  verzeichnete  Aufmachung  deutscher  Kriegsschatzungen
sein,  die  Deutschland  den  besetzten  Gebieten  auferlegt  hat.  Brüssel  200  Millionen,  Provinz  Lüttich  50  Millionen,
Stadt  Lüttich  10  Milionen,  Löwen  100000,    Lille  7200000,      Armentieres  500000,    ?  Lens  700000,    Roubartz
und  Tourcoing  1  Million,  Termonde  1  Million,  Provinz  Brabant  450    Millionen,  Gent    100000,  dazu  2200  Zigarren,
  220  Flaschen  Mineralwasser,  100  Fahr-  und  10  Motorräder.  Amiens  1  Million  und    100000  Zigarren,
zusammen  also  721500000      Franken,  von  denen  aber,  wie  die  Franzosen  behaupten,  nur  ein  sehr  geringer  Teil
eingegangen  sei.  Brüssel  habe  nur  30  Millionen  abgegeben.  Dem  Berner  Bund  wurde  dies  aus  Bordeaux  mitgeteilt.

Der  Norddeutsche  Automobil-Club  von  Hamburg  hat  in  14  Automobilen  letzte  Woche  Liebesgaben
an  unsere  Truppen,  speziell  Hamburger  auf  den  Kriegsschauplatz  befördert  und  sind  alle  14  Automobile  glücklich
und  wohlbehalten  angekommen.

Heute  früh  um  7  Uhr  ließen  die  Deutschen  durch  Staffette  ansagen,  daß  um  9½  Uhr  die  Beschießung
der  Stadt  Antwerpen  beginne.  Die  Regierung  siedelte  11  ½  Uhr  nach  Ostende  über.  Der  König  blieb
in  der  Stadt.  Zahlreiche  Flüchtlinge  kamen  an  der  holländischen  Grenze  an.

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