Überall,  wobin  der  deutsche  Name  klingt,  wird  die  Eroberung  von  Antwerpen  als  eine  der  größten  Waffentaten
  der  Weltgeschichte  dargestellt.  Antwerpen  ist  die  zweitgrößte  Festung  der  Welt  nach  Paris.  Seine  Forts
gehören  zu  den  allermodernsten  Werken  der  Festungsbaukunst,  sie  sind  in  keiner  Weise  veraltet  und  ihr  fortifikatorischer
  Wert  ist  dem  der  Pariser  Forts  überlegen.  Die  Beschießung  hat  die  Baudenkmäler  der  Stadt  Antwerpen
  nach  Möglichkeit  geschont.

Über  die  Beschießung  Antwerpens  schreibt  ein  Augenzeuge:  Sie  begann  um  Mitternacht  mit  großer  Heftigkeit,
  der  Bombenregen  schien  immer  dichter  und  dichter  zu  fallen  und  erreichte  um  zwei  Uhr  nachts  den  Höhepunkt.
  Die  Granaten  platzten  wie  tausend  Sterne,  die  den  Tod  und  die  Zerstörung  auf  die  letzten  Verteidiger
des  Landes  hinabsandten.  Ein  anderer  schreibt:  Ich  habe  Furchtbares  erlebt.  Drei  Tage  und  einen  großen
Teil  der  Nächte  donnerten  die  Geschütze  von  einem  Ufer  zum  andern.  Besonders  groß  ist  die  Zahl  der  gefallenen
Offiziere.  Die  Nerven  der  Soldaten  wurden  bis  zum  äußersten  angespannt.  Nachdem  das  Artillerieduell
lange  heftig  angehalten,  antworteten  erst  die  Deutschen  gegen  Mittag  und  zwar  mit  einer  so  furchtbaren  Treffsicherheit
  und  Heftigkeit,  daß  derjenige,  der  es  miterlebte,  dies  niemals  vergessen  kann.  Die  Genauigkeit  des
deutschen  Feuers  war  erschreckend.  Die  Granaten  verwandelten  die  Stellen,  die  kurz  vorher  zur  Deckung  dienten,
in  Trümmer  und  Asche.

Aus  Newyork  wirb  gemeldet:  Fast  die  ganze  Flotte  der  Vereinigten  Staaten  des  Stillen  Ozeans  ist  nach
den  Philippinen  abgegangen.  Seit  der  Besetzung  der  Marschallinseln  durch  die  Japaner  fand  ein  sehr
lebhafter  Depeschenwechsel  zwischen  den  Regierungen  in  Washington,  London  und  Tokio  statt.  Der  Zar
ist  beute  wieder  nach  Zarskoje-Selo  zurückgekehrt.  Dort  ist  es  für  das  Vaäterchen  doch  am  sichersten,  wer
weiß,  ob  bei  längerem  Verweilen  nicht  versehentlich  mal  eine  Kugel  geflogen  gekommen  wäre!

Ein  K.  D.  Konful  N.  Cornelsen  gibt  folgende  Anregung:

Neben  dem  Eheringe  müßte  ein  eiserner  einfacher  Ring  getragen  werden  mit  kurzer  Aufschrift:  1914
oder  ähnlich.  Der  Ring  müßte  von  der  Kriegshülfe  angefertigt  werden  und  von  ihr  auch  gegen  Bezahlung
von  mindestens  1.—  Mark  verkauft  werden.  Dadurch  kämen  der  Kriegsbilfe  reichliche  Mittel  zu.  Auch  ich
bin  der  Ansicht  schon  längst  gewesen.

11.  Oktober.

Das  Große  Hauptquartier  meldet  amtlich:  Nach  einer  12tägigen  Belagerung  fiel  Antwerpen  mit  allen
Forts  in  unsere  Hände.  Am  18.  September  fiel  der  erste  Schuß  gegen  die  Forts  der  äußeren  Linie.  Am  2.  Oktober
  wurden  bie  ersten  Forts  erstürmt,  am  6.  und  7.  Oktober  der  starke  angestaute,  meist  300  Meter  breite  Nethe-Abschnitt
  von  unserer  Infanterie  und  Artillerie  überwunden.  Am  7.  Oktober  wurde  entsprechend  dem  Haager
Abkommen  die  Beschießung  der  Stadt  angekündigt.  Da  der  Kommandamt  erklärte,  die  Verantwortung  für
die  Beschießung  übernehmen  zu  wollen,  begann  um  Mitternacht  vom  7.  und  8.  Oktober  die  Beschießung  der
Stadt.  Gleichzeitig  setzte  der  Angriff  gegen  die  inneren  Forts  ein.  Schon  om  9.  Oktober  früh  waren  zwei  Forts
der  inneren  Linie  genommen.  Am  9.  Oktober  nachmittags  konnte  die  Stadt  ohne  ernsthaften  Widerstond  besetzt
  werden.  Die  vermutlich  sehr  starke  Besatzung  hatte  sich  anfänglich  tapfer  verteidigt.  Da  sie  sich  jedoch
dem  Ansturm  unserer  Infanterie  und  der  Marinedivision  sowie  der  Wirkung  unserer  gewaltigen  Artillerie
schließlich  nicht  gewachsen  fühlte,  war  sie  in  voller  Auflösung  geflohen.  Unter  der  Besatzung  befand  sich  auch
eine  unlängst  eingetroffene  Marinebrigade.  Sie  sollte  nach  englischen  Zeitungeberichten  das  Rückgrat  der
Verteidigung  werden.  Der  Grad  der  Auflösung  der  englischen  und  belgischen  Truppen  wird  durch  die  Tatsache
bezeichnet,  daß  die  Übergabeverhandlungen  mit  dem  Bürgermeister  geführt  werden  mußten,  da  keine  militärische
  Behörde  aufzufinden  war.  Die  vollzogene  Übergabe  wurde  am  10.  Oktober  vom  Chef  des  Stabes
des  bisberigen  Gouvernements  von  Antwerpen  bestätigt.

Die  letzten  noch  nicht  übergebenen  Forts  wurden  von  unseren  Truppen  besetzt.  Die  Zahl  der  Gefangenen
läßt  sich  noch  nicht  übersehen.  Viele  belgische  und  englische  Soldaten  entflohen  nach  Holland,  wo  sie  interniert
  werden.  Gewaltige  Vorräte  aller  Art  wurden  erbeutet.  —  Die  letzte  Festung  Belgiens,  das  uneinnehmbare
Antwerpen,  ist  bezwungen.  Die  angreifenden  Truppen  vollbrachten  eine  außerordentliche  Leistung,  die  vom  Kaiser

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