damit  belohnt  wurde,  daß  ihrem  Führer,  dem  General  der  Infanterie  von  Beseler,  der  Orden  pour le  mérite
verliehen  wurde.

Gentral  von  Beseler,  der  Befehlshaber  der  Belagerungstruppen  von  Antwerpen,  hat  folgende  Proklamation
  erlassen:

Einwohner  von  Antwerpen!  Das  deutsche  Heer  betritt  Euere  Stadt  als  Sieger.  Keinem  Euerer
Mitbürger  wird  ein  Leid  geschehen  und  Euer  Eigentum  wird  verschont  werden,  wenn  Ihr  Euch  jeder
Feindseligkeit  enthaltet.  Jede  Widersetzlichkeit  dagegen  wird  nach  bem  Kriegsrecht  bestraft  und  kann
die  Zerstörung  Euerer  schönen  Stadt  zur  Folge  haben.

Kaiser  Wilhelm  telegraphierte  gestern  abend  an  die  Großherzogin  Luise  von  Baden.

Antwerpen  ist  heute  nachmittag  ohne  Kampf  besetzt  worden.  Gott  sei  für  diesen  herrlichen
Erfolg  in  tiefer  Demut  gedankt.  Ihm  sei  die  Ehre!

Wilhelm.

Aus  Plissingen  wird  gemeldet:  Die  Deutschen  haben  die  Nachhut  der  belgischen  und  englischen  Truppen
bei  St.  Nicolaas  abgeschnitten  und  viele  Gefangene  gemacht.  In  Seeländisch-Flandern  sind  schon  jetzt  3200
Belgier  und  800  Engländer  entwaffnet  und  festgenommen,  an  der  Grenze  bei  Putten  schon  mehr  als  1000  Belgier.

Die  Anzahl  der  Engländer  und  Belgier,  die  durch  niederländische  Seesoldaten  interniert  worden  sind,
beträgt  schon  Tausende.  Während  der  ganzen  Nacht  haben  die  Truppen  die  Grenze  passiert  und  sind  entwaffnet
worden.  Die  Anzahl  der  bis  jetzt  Entwaffneten  ist  vorläufig  nicht  zu  schätzen.  Auch  ein  englischer  General  ist
unter  ihnen.

Ein  Telegramm  aus  Antwerpen  besagt,  daß  alle  Lloyddampfer  und  Hansadampfer  schwimmend
und  nur  die  Zylinder  zerstört  sind.  Ich  wiederhole  teilweise  die  Namen  der  zur  Zeit  der  Sprengung  in  Antwerpen
  liegenden  deutschen  Schiffe.

Almeria,  Hamburg-Amerika-Linie;  Gneisenau,  Norddeutscher  Lloyd;  Atto  und  Ganelon,  Roland-Linie;
Hanau,  Elbing,  Tasmania,  der  Deutsch-Australischen  Dampfer-Gesellschaft;  Santa  Fé,  der  Hamburg-Süd-Amerikanischen
  Dampfergesellschaft;  Delos,  Lesbos,  Lipsos  der  Deutschen  Levante-Linie;  Huberfels,  Kandelfels,
  Schildturm,  Wartburg  der  Deutschen  Dampfergesellschaft  Hansa;  Totmes,  Kosmos,  Portimao,  Sines,
der  Oldenburg-Portugiesischen  Dampfer-Reederei;  Andre  Rickmers,  Rickmerslinie;  die  Bremer  Neptundampfer
Bellona,  Delia,  Feronia,  Hermes,  Sirius,  Kalliope  und  Theseus;  der  Hamburger  Dampfer  Jade;  die  Stettiner
Dampfer  Hispania,  Ursula  und  Croatia;  die  Flensburger  Dampfer  Christine,  Sell,  Erika.

Der  Rotterdamsche  Courant  meldet:  Von  gestern  abend  bie  heute  früh  zogen  durch  den  belgischen  Teil
Köewachts  unzählige  Munitionswagen,  Automobile  und  Kavallerie  über  Overslag  und  Selzaete  in  der
Richtung  Ostende.  Aus  Torneuzen  wird  gemeldet,    daß  belgische  und  englische  Soldaten  hundertweise
über  die  Grenze  kommen.  Heute  morgen  begannen  die  Engländer,  westlich  abzuziehen.  Die  Belgier  zündeten
gestern  fünf  Petroleumtanks  an,  damit  sie  nicht  in  die  Hände  der  Deutschen  fielen.  Sie  versenkten  alle  mit
Getreide  beladenen  Leichterschiffe.  Die  Belgier  zogen  in  der  Richtung  Boom,  die  Engländer  über  die  Pontonbrücke
  bei  Tete  de  Flandern.  Das  Fort  Merxem  wurde  von  den  Belgiern  in  die  Luft  gesprengt.  Den  Deutschen
gelang  es  erst  nach  heftigem  Widerstande,  die  Schelde  zu  Überschreiten.  —  Auf  dem  Turme  des  Rathauses  in
Antwerpen  wurde  gestern  nachmittag  die  weiße  Flagge  gehißt.

Die  Mitteilung  über  die  Besetzung  Antwerpens  in  Brüssel  rief  unter  den  Bewohnern  sichtliche  Bestürzung
hervor.  Denn  nach  den  Lügenmärchen,  die  in  belgischen  und  englischen  Kreisen  von  der  Unüberwindlichkeit
Antwerpens  verbreitet  wurden,  hofften  sie  noch  in  letzter  Stunde  von  Frankreich,  England  und  Rußland  und
Japan  auf  Befreiung.

Die  Rechts=  und  Staatswissenschaftliche  Fakultät  der  Universität  Greifswald  ernannte  den  Bezwinger
Antwerpens,  den  General  von  Beseler,  einen  geborenen  Greifswalder,  zum  Etrendoktor.

Nach  einer  Züricher  Depesche  hat  der  größte  Teil  der  Zivilbevölkerung  Belfort  verlassen.  25000    Personen
wurden  nach  dem  französischen  Süden  befördert.  Die  Gefechte  der  letzten  Tage  endeten  mit  dem  vollständigen
Rückzuge  der  Franzosen.  In  der  Nacht  auf  Donnerstag  verließen  die  Franzosen  den  Sundgau.

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